Home  |  Gästebuch  |  Links  |  Kontakt  |  Impressum  
Aktuelles

Easy Flight/George B. and the Bees

George, Nibbl, Gerd und George B. - "THE BEES"

Zu Beginn der 60er Jahre bis weit in die 70er, langte einem Musiker eine einzige Band völlig aus, auf die er sich konzentrieren konnte. Als dann die Disco-Welle überschwappte, das Angebot „Live Konzert“ für lokale Champs sich in ein - kein Bedarf - drehte, viele Mucker aber mit ihrem Instrument ihre Miete einspielen mussten, da passierte es immer häufiger, dass einzelne Musiker gleich zwei oder drei Bands hatten, in denen sie ihre Talente verkauften. Das setzte natürlich ein gewisses Verständnis und Können voraus, in jedem Fall aber einen hervorragend funktionierenden Terminkalender.

Bei „Easy Flight“ ist der Grundgedanke allerdings ein anderer, ist es doch die komplette Wolfsmond“ - Besetzung, die neues und eigenes Material vor einem Publikum antesten möchte, um es eventuell später auf Scheibe zu bringen. Offensichtlich, dass es primär nicht um das eigene Sparschwein geht, ist die Tatsache, dass Lude Lafayaette, George Meier, Zappo Lüngen und George B. Miller für geringe Gagen vorwiegend und vorliebend im „Texas Club“, respektive, dem „Quincy“ von Wolfgang Cyss in der Borriesstraße spielen. Wenig später verwandelt sich „Easy Flight“ in eine „Grand Hand“, Micky Kaiser singt neben Lu und George, Anja Vogel (zu dem Zeitpunkt noch keine kaiserliche) und Sabine Hempel üben sich in Harmoniegesängen und beweglicher Bühnenpräsenz. Auch hier wird deutlich, um an das große Geld zu kommen ist die Combo mit sieben Akteuren zu kopflastig. Es geht um die pure Lust an der Tonkunst. So einfach ist das.

Dieser Spaß will aber irgendwann finanziert werden, hat doch, beispielsweise, Bassist Zappo Lüngen jedes Mal die weite Anreise aus Hamburg vor sich. Und zurück muss er ja auch immer wieder und irgendwie. Die Proben werden aus diesem Grund schon auf den Nachmittag vor dem abendlichen Konzert gelegt. Und wenn der Spaß an der Sache vom Ärger, der sich irgendwann ergibt, aufgehoben wird, ist es besser, Dur von Moll zu trennen. Der Grund für solche Trennungen muss nicht nur an den Musikern selbst liegen. Häufig geht es um Auftrittsmöglichkeiten und die damit verbundenen Gagen. Beides ist Mangelware weil die Band exotisches, eben vorwiegend eigenes Material spielt und Bremerhaven keine Großstadt ist. Was dann da noch an Fremdtiteln reinpasst, fügt sich vom Genre fast nahtlos ein. Geheimtipps werden meist unter dem Ladentisch verkauft, und dafür ist die Besetzung leider zu umfangreich.

"THE BEES" im Parkhaus für "Rundschnitt, Petticoats und Rock n´Roll"

Der Hummelflug der "Bees"

So ist es denn seltsamerweise Lude Lafayette, der zu einer Neuformierung rät, und dieser auch gleich einen Namen mit auf die musikalische Reise gibt, „George B. and the Bees“. Das Repertoire tönt deutlich in Richtung Publikumsohr. Oldies aus der Grabbelkiste, aber eben auch das, was Musikern am Herzen liegt, um sich harmonisch austoben oder profilieren zu können, schwierige, den meisten Zuhörern unbekannte Nummern aus Amiland. Keine andere Bremerhavener Formation wagt sich an Steely Dan, The Doors, Stephen Stills, The Band, Bob Dylan, Beach Boys oder J.J. Cale, die mit ihren Originalversionen schon Probleme haben, in ganz Europa für freudige Gesichter bei den Plattenfirmenbossen zu sorgen. Angesagt ist das, was Stimmung bereitet, zum Mitsingen animiert, Alkoholkonsum steigert.

Lude nimmt seinen Abschied, hat er doch immer noch Wolfsmond.

An die Tasten setzt sich nun zukünftig Peter Henken, am Bass steht Nibbl Niemeyer, und Gerd Böttcher läuft zum ersten Gitarrero neben George Meier auf, an den Drums immer noch der, der sich im Namen wieder findet.

George und George produzieren liebevoll und heimlich in Herbert Heinze ´s Plumpsfort eine Maxi CD mit den beiden Candy Stationisten Harry und Robby, die in 1.000facher Auflage sehr bald ihre Käufer findet. Geplumpste Vergangenheit.

Dann wird plötzlich alles besser, jobtechnisch, durch angepasstes Programm.

Equals, Roy Orbison, Beatles, Stones und was sich sonst noch so gassenhauermäßig anbietet, bringt anfangs volle Häuser, die mit 100 bis 150 Rockverrückten im Durchgangsverkehr bis zum Bersten gefüllt sind.

Es wird getourt bis Hamburg im Osten, Stuttgart im Süden, Essen im Westen und Speckenbüttel im Norden.

Aus Bremen meldet sich Gönner und Freund Helmut „Acos“ Frank mit diversen Partys und einem Longplayer mit selbst selektierten Favoriten, der im Heimstudio in der Osterstraße eingespielt, und auf einem Betamax gemastert wird.

Natürlich wird der, mit allen Gästen des Albums, auch auf die Bühne gebracht.

Absolut optimal für einen Vollblutmusiker, zwischen Studio und Live Gigs pendeln zu können, auch wenn es nur zwei- dreimal im Jahr passiert.

Letztendlich aber erfreuen und begeistern die „Bees“ vorwiegend selbst muckende Kollegen, und unterstützende Familienmitglieder der Band, die in den seltensten Fällen bei Konzerten für auffallende Umsätze sorgen.

Das ist kein Publikum, wie die Konkurrenz es vorzuweisen hat.

Da hilft es auch wenig, nur für die losgelassenen Anwesenden zu spielen, und nicht für die, die nicht gekommen sind.

Nur das „Lili Marleen“ in der Prager Straße ist neutral, lässt alles auf die Bühne, das gewillt ist für die Einheitsgage zu spielen, hört sich alles gut an, ist sowieso immer bis zum letzten Platz besetzt.

Um zumindest das Bühnenbild etwas attraktiver zu gestalten, holen die „Bees“ sich die schwarze Goldstimme Betti O., die aus den USA mit ihrem Mann in den Bremerhafen einlief weil er hier stationiert wurde.

Da geht mit einem Mal die Soulpost ab, es kommt Bewegung in ´s Spiel, eine Ohr- und Augenweide, dass sogar die verschlafenen Überlandbetriebe ihre Festzelte öffnen.

Jeder Abend eine rauschende Ballnacht.

Das muss sogar der alte „Don´t Ha Ha“- Mann Casey Jones im 1.000 Mann-Zelt in Sievern einsehen, der vor Verzweiflung 4 x seinen Hit von den Governors durchnölen lässt, um überhaupt eine Reaktion der 37 Verstreuten zu erleben.

Doch irgendwann muss auch Betti O. ihrem Mann zurück in die Heimat folgen, und nicht ihren musischen Gelüsten.

Das macht beide Seiten traurig. Abschied ist immer mollig.

Zurück zum Alltag, an dem immer häufiger wieder die Lieblingslieder der Musiker, statt die der Zahlenden, durch die Boxen kommen, und das herbeigesehnte Licht am Ende des Tunnels nur irgendein Dudelsacker mit ´ner Taschenlampe zu sein scheint.

Noch halten die Namen das Publikum bei guter Laune, wissen sie doch, dass Meier/Miller, und zeitweise Gerd Böttcher auch, Mitglieder des norddeutschen Flaggschiffs Wolfsmond sind.

- der ACOS Flyer -

Da bekommt Nibbl Niemeyer über Nacht ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Er darf bei dem Musical „Hair“ als Gitarrist einsteigen, also wirklich Geld verdienen, zusätzlich einen Teil der großen Welt sehen. Das bietet ihm eine zeitweise Niederlassung im schweizerischen Davos.

Die „Bees“ brauchen einen neuen Bassisten, den sie durch Peter Henken in Michael Drews finden. Noch einmal bäumt sich die Mannschaft auf, spielt Starkstrom aus Donnerblitzen, schwitzt Schweiß in salzige Pullunder, bedingungslose Marter der Fingerkuppen in schneidenden Stahltrossen, loderndes Feuer aus Herz blutender Glut. Jeder Veranstaltungs-Strohhalm wird gegriffen, vielfach deutlich unter Preis, vielfach weiter als der Tacho des alten Mitsubishi Busses es zulässt. Bremen bietet „Hansa“tische Zeltplanenatmosphäre in Oktoberfestmanier, Berlin öffnet einmal seinen Ku ´damm mit seiner „Eierschale“, Großstadtflair, und bald danach, die Anlage ist kaum verstaut, hoffnungsvolle Vergessenheit. Auszeit.

Aber rockechte Mucker kennen eher Kompressionen als Depressionen.

Irgendwie geht ´s immer weiter.

Isso.


Keine Artikel in dieser Ansicht.

mehr Aktuelles