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Aktuelles

Das "Gee Bee´s"

Auf dem Höhepunkt meiner musikalischen Laufbahn, also, besser gesagt, als ich glaube,

mein Name ist für Bremerhaven klangvoll genug, um eventuell einen schmalen Waldweg

im Spadener Gehölz nach mir zu benennen, gebe ich dem Drängen einiger Freunde nach

und eröffne Anfang der 80er eine Kneipe.

Winfried „Halef“ Pietzsch, einer, der auf diesem Terrain ein wahrer Meister ist, zu Hochzeiten selber Eigner diverser Bremerhavener Etablissements, Schlitzohr im Öffnen jeglicher Bier- und Geldhähne, nimmt mich unter seine freundschaftlichen Fittiche und bietet mir exakt das an, wovon ich in schlaflosen Nächten geträumt habe, das „Anno 1800“ in der Deichstraße. Mit seiner Hilfe verwandeln wir eine desolate Bierschwemme in ein attraktives Kellerlokal mit knuffiger Atmosphäre und der Möglichkeit für Live Musik. Im Gegenzug unterschreibe ich bestens gelaunt Wechsel für den Mietabtrag der nächsten zwei Jahre weil ich durch eindringliches Zureden meines Verpächters voll im Positivum bin..Mein Konzept, ein exquisites „Hideaway“ für den Chef mit seiner Sekretärin, dem die Hitparaden Dumpfbackenhäuser zu öffentlich sind, um ungestört diskrete Fachgespräche führen zu können.

Selektierte Musik meiner, über Jahre gesammelten, Lieblinge vom Kassetten Rekorder,

soll den Unterschied zum „bumm tschicke bumm“ der nahe gelegenen Discos machen.

Am Tag der Eröffnung ist die Bude umfallsicher gefüllt.

Am zweiten Tag kommen nur Freunde, allesamt Sportler, trinken ein Alster oder ne Cola,

machen einen Zettel über ihr Gelage und leihen sich 20.- Mark von mir, um mit dem Taxi nach Hause zu kommen.

Ich entdecke eine Seite an mir: Ich bekomme ein „Nein“ nicht über meine Lippen.

Nach drei Wochen sehe ich alles schon viel positiver mit den glasigen Augen des Bockes,

der zum Gärtner avanciert ist.

Mein, in anderen Kneipen sauer erprobtes Talent , mit dem Knobelbecher oder den Karten für Umsatz zu sorgen, zieht schmale Geldbeutel an wie Motten das Licht.

Nach einigen niederschmetternden Ergebnissen spricht mein Herz mit mir: Pech im Spiel, Glück in der Liebe.

Das Schild auf meiner Stirn:“Hier trinkt der Chef selbst mit!“ führt zwangsläufig zu kräftigen Applaus Aktionen meiner Leber.

Das Schild vor der Eingangstür ist nicht sichtbar weil der gesamte Gebäudekomplex im Umbau ist und verdammt viel Ähnlichkeit mit einer vergessenen Baustelle hat, die lediglich den Hinweis:“Betreten verboten!“ vermissen lässt.

Und so kommt jeder rein, auch nach Feierabend.

Nach dem dritten Einbruch lässt die Obrigkeit mich durch eine Blume wissen, die auf keinem Bier zu finden ist, dass ich mich doch ruhig mal nachts auf die Lauer legen soll. Die Bänke sind allerdings so schmal, dass meine Partnerin zuhause schlafen muss. In den einsamen Nächten drängt sich mir die Idee auf, die Notbeleuchtung brennen und das Radio mit AFN laufen zu lassen.

So denkt jeder Eindringling, da sei noch reger Betrieb. Und es hilft.

Nach einem halben Jahr habe ich für ca. 500.- Mark unbezahlte Zettel in der Kasse und einen Bluterguss in der Membran von den Beschwerden meiner Gäste, die finden, dass es immer noch muffig riecht.

Das kann aber unmöglich an den vier Wasserrohrbrüchen liegen, die ich während des Winters wegfeudeln ließ weil das Haus an der Rückfront immer noch keine Fenster hat.

Ich geh der Sache nach und stelle fest, die Bänke wurden vor der Übernahme zwar neu überzogen, das aber schon zum achten Mal, und leider ohne die vorigen Nikotin geschwängerten zu entfernen.

Nach einem Jahr gleicht das "Gee Bees", das die Taxifahrer liebevoll "Bee Gees" nennen weil sie die Australier voll gut finden, der Bahnhofsrestauration in Bederkesa: Nur was los wenn ein Zug kommt.

Der ist aber längst abgefahren.


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