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Aktuelles

Emil Harder - die Rock-Röhre

Verdammt viel Ähnlichkeit mit Little Richard

„...kommen wir zu unserem ersten Kandidaten! Freunde, dieser Mann lässt euch vergessen, dass Chuck Berry es je gewagt hat, eine Platte zu machen. Wer die Augen schließt merkt keinen Unterschied, wer sie offen lässt weiß sofort wer hier der Bessere ist. Begrüßen wir als ersten Sänger mit „Sweet little 16“ – Emil Harder!“ So die Originalansage des Moderatoren beim Sängerwettstreit Anfang der 60er in der Bremerhavener Rock-Metropole "Seebeck am Markt".

Und Emil gibt alles, und Emil räumt ab, mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er nie etwas Anderes getan, als sich auf großen Bühnen einem begeisterten Publikum zu stellen. Unkompliziert und locker, kraftvoll in der Stimme, und, was damals einigen Mitstreitern vor Nervosität nur schwer gelingt, Emil singt bestechend sauber.

Man sagt, früh übt sich was ein Meister werden will, aber dass Emil schon bei der Geburt das hohe "C" von sich gibt als er den Klaps auf den Po erhält, lässt sogar die Eltern vor Neid erblassen. Wie das Endlosband einer "Echolette" zieht sich die Musik durch sein Leben. Da ihm das nötige Kleingeld fehlt, um sich ein Instrument kaufen zu können, beschließt er, sein weitaus wertvolleres Eigenkapital einzusetzen, seine Stimme. Aber Bands, die einen Sänger suchen, gibt es in den frühen 60ern noch nicht wie Sand am Meer, und darüber hinaus kennt niemand den talentierten Barden. Es gilt also, auf sich aufmerksam zu machen, und wo geht das derzeit besser als bei "Seebeck am Markt". Dort trifft er 1964 seine ersten Freunde, die ebenfalls nichts Anderes im Kopf haben, als eine eigene Band zu gründen: Peter Hinrichs an der Gitarre, Klaus Böttcher soll den Bass bedienen, Ingo Jing trommeln, und da in dieser Konstellation für Emil eine Band komplett scheint, spart er sich die Ausgaben für ein Instrument, legt sich den Künstlernamen "Eddy" zu, und die "Midnight Blues Band" ist geboren.

Zwei Jahre hält die Combo zusammen wie Pech und Schwefel, aber immer nur proben, ohne kontinierlich prickelnde Auftritte zu haben, lässt manchmal auch die talentierteste Band an sich zweifeln und dann auseinander fallen. Emil "Eddy" Harder hat ein Jahr, um sich umzuhören, neue Mitstreiter zu suchen. Die findet er in Stefan Franz (Git.), Meico Grünholz (Tasten) und Gerd Maatz (Schlagzeug), dem "German Golden Gate Quartett". Der Name wirkt auf den ersten Blick etwas befremdlich, zumal es sich hier weder um eine a capella Gruppe handelt, noch haben die Mitglieder auch nur annähernd die Hautfarbe der großen Kollegen aus den USA. Für einen Bremerhavener ist aber das derzeit permanent gut besuchte Tanzlokal "Zur Goldenen Brücke" in der Borriesstraße ein Begriff, und wenn man da als Hausband musiziert, dann geht der Name wohl voll in Ordnung. Die Vier erarbeiten sich einen exzellenten Ruf, spielen immer öfter auswärts, teilweise europaweit, und Emil stellt seine stimmliche Vielseitigkeit ein um das andere Mal unter Beweis. 1970 heiratet er seine jetzige Frau Gisela, die ihm drei Töchter schenkt, eine musikalischer als die andere. Und ganz vorn Daniela, die heute mit ihrem Vater auftritt, wenn auch mit einem moderneren Programm als der "alte" Showhase, und ihre eigenen Publikumserfolge einheimst.

Emil der Spaßvogel nach der Musterung

Pause durch Arbeitsunfall

 

Emil fällt es immer schwerer, sich nach einem durchspielten Wochenende seinem eigentlichen Beruf als E-Schweißer zu widmen. Und dann passiert das Unglück. Er hat einen Arbeitsunfall und muss 1979 seine große Liebe, die Musik, an den berühmten Nagel hängen. Wohl niemand., außer ihm selbst, weiß wie sehr das an die Nieren geht. Als Mitte der 80er Jahre Manni Müller das "Sanssouci" eröffnet, lässt Emil sich von seinem Freund Charly Seifert überreden, dort mal reinzuschauen. Aus der alten "Wurlitzer" kommen ihm die Stimmen seiner Favoriten Elvis Presley, Buddy Holly und Little Richard entgegen, und sofort fühlt er sich wieder in seinem Element. Seine Gesangseinlage, ohne großartige Bewegungsabläufe, bringt den Laden zum Kochen, seine Witze zwischen den Titeln die Leute zum Lachen, und es scheint, als hätte er nie aufgehört, der lockere Entertainer von einst zu sein.

Als nach einem Brainstorming im "Sanssouci" die Idee geboren wird, eine LP mit einigen Preisträgern der damaligen Sängerwettstreite einzuspielen, ist Emil sofort dabei. Ohne jegliche Erfahrung taucht er im Studio auf, streift sich die "Muscheln" über und röhrt zu dem handgemachten Playback seinen "Mean Woman Blues". Kein tonaler Versinger (bei den Texten schien er schon damals seine eigenen Ideen zu haben), und nach einer Viertelstunde steht er schon wieder im Aufenthaltsraum und bringt mit seinen nimmer endenden Kalauern die gesamte Crew dazu, sich vor Begeisterung auf die Schenkel zu hauen. Er ist wieder ganz der Alte.

v.l.n.r.: Emil, Richard, Daniela und Charly

"Memory"

 

Mit Charly Seifert gründet er 1990 die Tanz- und Partyband "Memory" mit Fredy Lange am Keyboard, für den jetzt, in der neuen Besetzung, zu der allerdings Charly auch nicht mehr gehört, Richard eingesprungen ist. Egal, wo das Trio aufspielt, nach wenigen Minuten hat Emil das Publikum fest im Griff, ob mit dem Immergrün der Platters "Only you", Cliff Richards "Rote Lippen soll man küssen" oder anderen Schlagern aus den 70er oder 80er Jahren. Tochter Daniela sorgt mit ihren gelungenen Beiträgen für Abwechslung, und so kommen auch die aktuellen Charts zum Zug. Immer wieder versteht der gewichtige Frontmann aufs Neue, seine Zuhörer mit flockigen Zwischenbemerkungen zu unterhalten, so, als sei nichts einfacher, als sich selbst und seine Musik ein wenig auf den Arm zu nehmen. Werbung für seinen gastronomischen Betrieb, das LTS-Sportheim in Speckenbüttel, muss er bei den Konzerten gar nicht machen. Die meisten Bremerhavener wissen, dass er dort mit seiner besseren Hälfte seit Anfang 1989 fast täglich für beste Laune sorgt und manchmal sogar selbst hinter den Hahn tritt, um ein gepflegtes Bier zu zapfen.

"Mir macht es sehr viel Spaß, mit den Leuten Spaß zu haben", sagt er mit einem verschmitzten Zug um die Mundwinkel, "bei mir sollen sie ihren Alltagsstress vergessen. Nur beim Skat muss sich jeder seine Karten selber legen und aufpassen, dass ich mir die Preise nicht in meine eigene Kühltruhe lege." Das LTS-Heim ist inzwischen in anderen Händen, aber niemand muss wirklich auf den Allrounder Emil Harder, das Bremerhavener Original, verzichten. Seit einigen Jahren führt er zusammen mit seiner Frau Gisela erfolgreich das "Schabernak" in der Hafenstraße. Und auch hier gehören Tage mit Skat und Live Musik zur Woche wie gemütliche Atmosphäre und gute Laune mit dem Chef persönlich. Ein Besuch lohnt sich garantiert immer.


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