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Chuck Prophet

Chuck Prophet

Ich denke, je mehr man über einen Musiker weiß, um so eher hört man mal in seine CD(s). In unserer Republik gehört er zu den eher unbekannten Namen, gilt als Geheimtipp unter den Insidern, aber egal, letzten Endes zählt, wie man ihn und seine Musik selbst beurteilt. Das kann man eben nur, wenn man mal reingehört hat. Ich möchte ihn mit diesen Zeilen wärmstens empfehlen.

In den USA zählt er zu den ganz Großen im Rockgeschäft, ohne je einen Top Ten Hit gelandet zu haben, wird mit Richard Thompson verglichen, oder als das fehlende Glied zwischen Paul Westerberg und Bob Dylan, ich rede von Chuck Prophet und seiner Begleitband „Mission Express“.

Chuck Prophet wurde im kalifornischen Whittier geboren. Lange bevor er „Mission Express“ um sich gruppierte, war er als Sänger und Gitarrist maßgeblich am Erfolg und Kultstatus von „Green on Red“ beteiligt und machte dort schon in Fachkreisen auf sich aufmerksam. Danach veröffentlichte er unter seinem Namen vier Alben, alle kernig produziert, kompakt und knackig durcharrangiert, die von der zwingenden Gitarrenpower des Protagonisten lebten, bzw., von seinem erdig-tiefen Gesang und den einfach konzipierten,
süchtig machenden Songs zwischen Gitarrenrock und Rootsbewusstsein,
die ihm das Lob einbrachten, das Beste im Country Rock seit Gram Parsons zu sein.

Ende der 90er allerdings befand der Kalifornier dieses Feld für erschlossen und abgearbeitet und brach mit dem Album „The hurting business“ auf zu neuen Ufern mit Mut zum Experiment, und das ganz besonders in Sachen Sound und Produktion, programmierten Rhythmen und alternativem Dancefloor-Ambiente.

Wohin führt nun der Weg seiner Scheibe „No other love“ aus dem Jahr 2003, die dem ewigen Geheimtipp endlich den internationalen Durchbruch verschafft,
besonders auch in den USA – zurück zum Rootsrock der früheren Veröffentlichungen oder noch weiter in Richtung Tanzfläche? Die Antwort heißt: weder noch. Prophet führt nämlich seinen persönlichen Weg in Richtung Roots Rock-Erneuerung konsequent und zielstrebig weiter, die Dance-Ingredienzien und elektronischen Spielereien sind weitgehend absorbiert, eine musikalische Ausrichtung zum kulturellen Schmelztiegel New Orleans, zu flirrenden Südstaaten-Swamp-Szenarien ist stattdessen angesagt. Das alles durchaus unter Berücksichtigung einer modernen, an Pop und Soul orientierten Produktion aus seiner Heimatstadt San Francisco – Westcoast trifft auf Louisiana, in der die Gitarren übrigens nicht zu kurz kommen.

Als musikalisches Bindeglied und Erklärungshilfe mag da das Studioprojekt der „Raisins in the sun“ dienen, ein hoffnungslos und unverzeihlich vernachlässigtes Stück amerikanischer Musik, das 2004 sieben hochinteressante Leute aus verschiedensten Rock-Kulturkreisen in Tucson, Arizona für eine Woche zusammenführte. Heraus kam dabei letztendlich ernsthaft betriebene Rockmusik mit allerdings hörbar hohem Wohlbefindlichkeitsfaktor.

Bewunderer innovativer, wandelbarer, entwicklungsfähiger Künstler werden sich ein weiteres Mal am modernen Gewand und unberechenbaren Inhalt der aktuellen, vor ein paar Wochen veröffentlichten Chuck Prophet Produktion „Age of Miracles“ ergötzen. 11 Titel in 7 verschiedenen Studios aufgenommen mit einer riesigen Liste von Gastmusikern, u.a. vier verschiedene Bassisten und fünf Drummer, führen den Hörer in variierende Klanglandschaften mit Cembalo, Orgel, Bass, Lap Steel, Piano, Glockenspiel und Percussion. Dazu das permanente Spiel mit der Wirkung seines intensiven, bisweilen radikalen „alle Wege führen zu Dylan“ (Sprech-)Gesangs. Sicher ist es Prophets größte Leistung, diese vielen Mosaiksteine zu dem Gesamtkunstwerk „Age of Miracles“ zusammengefügt zu haben, ohne sich selber dabei zu verlieren, stets Kontrolle und Oberhand über ein so vielschichtiges Projekt zu behalten und ihm jederzeit
seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. In der Tat, ein Hauch von „Wunder“.

Ich hör ihn auch nicht jeden Tag, aber ich bin auch gewiss keiner, der sagt, jeden, der solche Zeilen wie da oben verdient, muss ich in meinem Regal haben. In diesem Sinn, hör mal rein.


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