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Francis Cabrel - der bescheidene Franzose

Francis Cabrel

Ich bin nie wirklich ein Fan französischer Sänger oder Musiker gewesen. Meine minimalen Schul-Französisch Kenntnisse haben schon dafür gesorgt, dass ich mich diesem Land musikalisch interessiert nicht näherte. Klar, 60er Jahre, Michel Polnareff, „la poupeé, qui fais non“ (weiß nicht mal, ob ich das richtig geschrieben hab) oder Jacques Dutronc, der ja sogar mit ner deutschen Truppe kürzlich wieder in unseren Charts unterwegs war, das habe ich damals schon mit favorisiert, ohne ein Wort zu verstehen.

Aber ich höre inzwischen nicht mehr nur amerikanische oder englische Künstler weil ich ihre Texte verstehe, sondern entweder die Stimme mag oder das, was die Band im Studio einspielt. Als Francis Cabrel das erste Mal in meine Gehörgänge kam, wusste ich, er ist die Ausnahme von allem, was ich vom französischen Markt kannte. Irgendwann fand ich dann einen Bezug von Cabrel zu „Zachary Richard“, den ich immer schon sehr mochte, einem weißen Cajun Musiker aus Louisiana, mit dem Cabrel live tourte.Seine Texte verstehe ich immer noch nicht, muss ich auch nicht; denn seine Stimme ist inzwischen zusammen mit seinen unbeschreiblich warmen und nachvollziehbaren Melodien bis in mein Herz gelangt, und das gibt ihn nicht mehr her. Das kann ich nicht von vielen Musikern behaupten. Inzwischen weiß ich aber durch meine große Liebe, die der französischen Sprache mächtig ist, mir diverse Texte übersetzt hat, dass er sich, neben seinen poetischen Worten in den zauberhaften Balladen, sehr kritisch äußert.

Er ist rockig, folkig, balladig, und er ist überaus erfolgreich, und er ist wieder ein Musiker, der Wert darauf legt, dass „live“ eingespielt wird im Studio, der ohne „Aufpumpen“ und große Effekte produziert und spielt. Er wird wohl nie nach Deutschland kommen, selbst in seiner Heimat sind seine Konzerte Raritäten. Eine fantastische Combo begleitet ihn im Studio wie auch bei Live Auftritten.Das Schöne am Internet ist ja, u.a. auch, dass es utube gibt. Natürlich ist er dort auch zu finden, wenngleich die Qualität der Clips häufig zu wünschen übrig lässt. Das könnte gerade bei Cabrels Musik irritieren. Ich empfehle sein Album "Les beaux dégats",
Anspieltipp: Tu me corresponds - ein traumhaft grooviger Titel.

Und Cabrel ist enorm erfolgreich, und die Plattenfirmen üben Druck auf ihn aus. Etwas, das er überhaupt nicht mag. Dann endlich im Jahr 1994 erscheint seine lang erwartete achte Scheibe "Un samedi soir sur la terre". Francis Cabrel zeigt sein poetisches Talent, seine Texte gewinnen an Schärfe und Ausdruckskraft. Das Stück Je t'aimais, je t'aime, je t'aimerai ist eine Art Fortsetzung seines ersten Liebesliedes "Petite Marie"; denn der Sänger ist noch immer glücklich mit seiner Frau Mariette verheiratet. Inzwischen haben die beiden zwei Töchter bekommen. Doch der Franzose schreibt nicht nur unglaublich schöne Liebesballaden, er äußert sich häufig auch sehr kritisch. "Corrida" ist ein scharfer Fingerzeig  auf den grausamen spanischen Stierkampf aus Sicht eines Stiers. Musikalisch hat sich Francis Cabrels Stil nicht viel verändert. Es bleibt die Fokussierung auf die Akustikgitarre. Der Sänger gibt erneut eine Vielzahl an Konzerten und erhält den Preis für das beste Album des Jahres. Erst 1999 veröffentlicht er sein nächstes Album "Hors Saison", das mit derselben Band den Stil - und den Erfolg ( eine Million verkaufter Platten!) - Cabrels weiterführt. 2000 kommt schließlich ein dreifaches Lievealbum heraus, das die akustische und rockige Stimmung der Konzerte wiedergibt.

Dennoch, man kann im Grunde weder ihn noch seine Musik so beschreiben, dass dabei ein Hörgefühl rüberkommt. Man muss ihn selbst gehört, gesehen oder eben erlebt haben.


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