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Da reggae mi net auf....

 

Irgendwie kam die Nachricht wie ein geknickter Strohhalm an unsere Herzen: Die „Rattles“ sollten doch noch einen letzten TV-Auftritt absolvieren. Niemand glaubte mehr an einen Aufschwung, eher an das zweitklassige Los des Lückenbüßers, als man uns im April 1974 in Buttstädts „aktuelle Schaubude“ einlud.

Aus dem „Gin Mill“ Album bei der RCA war „Hot Bananas“ ausgekoppelt worden, und damit sollten wir in die Sendung. Überall platzierten wir Bananen, aufs Klavier, auf die Verstärker. Ich spielte mit Bananen statt mit Stöcken, dass die Schalen schon nach der zweiten Probe tropfend durchhingen weil das Fruchtfleisch sich auf den Fellen verteilt hatte. Nur Linda wollte sich keine in ihre Afro-Frisur drapieren lassen. Dafür steckte sich George eine über seinen Gitarren-Vibrator. Sah richtig geil aus. Niemand wusste wirklich, aus welcher Republik diese Bananen gekommen waren. Heute wissen wir, dass es der wahre Grund gewesen sein muss, weshalb man uns aus der Wiederholung der Sendung am Montag einfach raus geschnitten hatte. Für ein dezent angelehntes „Beggars Banquet“, wie das der Stones, war das deutsche Fernsehen also noch nicht reif, oder wir nicht berühmt genug.

Aber selbst was den Spaß betraf, um den es letztlich nur noch ging, bewegten wir uns in getrennten Lagern. Lude lachte gern, wenn jemand anders seinen Kasper raushängen ließ, Zappo war eher der ruhige, ausgeglichene Typ, und Frank musste als Chef korrekt auftreten, wenn er schon keinen eigenen Maßanzug vorweisen konnte. Nur George und ich hatten nichts zu verlieren, so schien es zumindest, und wir hatten ständig einen gut gelaunten Schluck Hochprozentigen im Nacken, der uns hin und wieder zum Übertreiben animierte.

Als bei einem Konzert in einer Disco in Erlangen der Strom für die Backline ausfiel und nur noch die Gesangsanlage funktionierte, überbrückte George die Pause mit dem Hasenscharten-Witz. Sonst passierte es ihm häufig, dass er versehentlich die Pointe vorweg nahm, und alle freuten sich diebisch auf das Ende. An dem Tag lief es super. Trotzdem, kein einziger Lacher, nur in der vorletzten Reihe stand Einer auf und ging raus – mit der Hand vorm Mund. Peinlich berührt kam der Strom wieder. Wir rockten uns die Seele aus dem Leib, aber niemand wollte es wissen. Nur der Discjockey, eine junger, dreister Rotzlöffel, schien von der Historie unseres Namens beeindruckt. Er schob sich an den Tisch, der eigentlich für unsere Autogrammstunde reserviert war, und fragte uns, was wir nach den Konzerten immer so tun würden. Pokern, war die Antwort. Das stimmte zwar, aber immer nur mit unseren Roadies und nur um Pfennigbeträge. Das behielten wir aber für uns.

Er fragte nach der Adresse des Hotels, und erschien tatsächlich auf der Bildfläche, als wir gerade dabei waren, unseren Gute-Nacht-Schluck zu genießen. Er setzte sich, verteilte die Karten, und sagte: “Ich setze Fuffzisch blind!“ Niemand hatte Geld auf dem Tisch, alles wurde fein säuberlich notiert. Nach einer halben Flasche „Four Roses“ bewegte ich mich schweißgebadet und halb blind mit 350.- Mark in den Miesen, George und er sahen sehr gut aus. Ich goss noch mal nach, in der Hoffnung, alles läge nur an dem schlechten Stoff. Er wollte aufhören, aber mein Kollege sagte ihm deutlich, so ginge das nicht. Ein Zeitlimit müsse schon vorgeben sein. Um ca. 06:00 Uhr, Zappo kam, noch von der Dusche tropfend, ins Zimmer, Lude hatte jamaikanisches Reggae-Zittern in den Beinen vom Zuschauen, lag ich vorn mit 250.-, George mit 400.-, und der Plattenreiter war um den Betrag hinten. Dann die Stunde der Wahrheit. Er trug nicht eine müde Mark in seinen Designer-Jeans.

Ich hatte ein erleichtertes, bayrisches „da reggae mi net auf“-Gefühl, hätte ihn liebend gern so ziehen lassen, aber die „Kiebitze“ hatten das Fieber übernommen und bestanden auf „Spielschulden, Ehrenschulden“. Zappo lief zu einem Kiosk um die Ecke, besorgte ein Wechselheft, und der Verlierer unterschrieb. Einen Monat später wurden 250 Deutsche angewiesen. George bekam 150, ich den Rest. Danach hörten wir nie wieder was von unserem Geldgeber aus dem Süden. Aber danach haben wir uns auch nie wieder so in die Karten schauen lassen.


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