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Mandy Seidel - Prominenz mit der Stimmgabel bedienen

Bei der Arbeit

Die meisten Frauen ihres Alters träumen von Clooneys, Pitts oder Grants und romantischen Stimmungen. Mandy Seidel bevorzugt Steinways, Bechsteins oder Schimmels, die sie stimmt, aber sehr gern auch zum Reparieren, wenn sie ihren Geist aufgegeben haben. Die 30jährige Klavierbauerin geht voll und ganz in ihrer Berufung auf, die sie zu ihrem Beruf machte, und weiß sehr wohl, dass „Hammerröllchen“, „Stoßzunge“ und „Schenkel“ nicht unbedingt aus dem Bereich der Erotik kommen müssen. Für sie ist das Fachsprache aus der Repetitionsmechanik, die dafür sorgt, dass eine Tonwiederholung mit minimaler Tastenbewegung möglich ist.

Geboren in Burg bei Magdeburg, bekommt Mandy schon Jahre vor ihrer Konfirmation Blockflöten-Unterricht beim Pastor in der örtlichen Kirche. Doch sie will mehr, nur das ist einfacher gewünscht als umgesetzt. Um klassische Gitarre und Geige lernen zu können, muss jemand seinen Platz an der Musikschule räumen. Ihre Eltern glauben an ihr Talent, vor allem aber auch, dass sie weiter machen wird und finanzieren ihr die Unterrichtsstunden.

Noch vor dem „Fall“ der Mauer, zieht sie 1988 mit ihrer Familie in den Westen nach Gifhorn, beendet dort ihre Schulzeit und absolviert acht Jahre später die Lehre zur Klavier- und Cembalo-Bauerin in Braunschweig. Während ihrer Ausbildungszeit erlernt sie das Instrument, das sie bald in- und auswendig kennen wird. Da es schon zwei Piano-Fabriken in ihrer Stadt gibt, wird schnell deutlich, dass sie sich irgendwo anders Arbeit suchen muss.

2000 kommt sie an die Weser, schließt hier die Lehre ab und bewirbt sich europaweit um eine Anstellung. Das erste Haus am Platz, Musikhaus Steiner, wird dann aber doch erst einmal für anderthalb Jahre ihre Wirkungsstätte. Es kommt ihr sehr entgegen, dass sie gleich ins „kalte Wasser geworfen“ wird weil selbständiges Arbeiten gefragt ist. Reparatur und Service sind ihre Aufgaben. Der Service beinhaltet das Stimmen von Klavieren vor Ort, und das ist absolutes Neuland für das Mädel aus dem Osten, zumal sie das sonst nur in der Fabrik tun musste. Es bringt ihr aber auch die hiesige Musik Szene näher. Die erste Einladung, in eine Formation einzusteigen, erhält Mandy von Klaus Barck und dem „Salon Orchester Bremerhaven“. Aber für eine Seniorin ist die 22jährige sich noch zu frisch. Mandy setzt sich ab nach den Haag, arbeitet bei Brinkmann Pianos, hat dort ihr kleines Apartment, kehrt der Seestadt dennoch nicht den Rücken. Aber statt André Rieu spricht der Bassist der Metal Rocker von Morbid Tales sie an. Eine neue Perspektive für die begabte Künstlerin, hat sie bis dato doch nur im Gifhorner Schulorchester aufgespielt.

Mandy, die Vielsaitige

Seit 2002 ist sie nun selbständig, hatte ihre eigene Werkstatt im M&M Musikhaus in der Grashoffstraße, das 2006 wegen Geschäftsaufgabe für immer seine Türen schloss. Sie stimmt das Klavier für das Dean Collins Konzert in der „theo“, und erhält prompt das Angebot, Geigen auf der „unplugged“ DVD zu dubben (das Erweitern von aufgenommenen Tonspuren). Morbid Tales steht bei ihr erneut auf der Matte, möchte ihr Talent für das „Rock am Hafen 2008“ Festival testen. Mandy ist drin! In der hiesigen Stadthalle macht sie Stimmung für Top Acts wie Joja Wendt in nur 15 Min.,(normal wären 40 Min. bis zu einer Stunde) wegen einiger Probleme mit der Tontechnik, der seinen eigenen riesigen und hydraulischen Steinway Flügel mitbringt. Joe Bohnsack, Max Raabe, alle liebenswert und super freundlich, sagt die Wahl-Bremerhavenerin. Und "pianomandita" bleibt so lange da, bis der Star des Abends vor Ort und zufrieden ist, alles absegnet. Es gibt allerdings auch Ausnahmen wie „Rondo Veneziano“, der bei jedem Gespräch mit „Maestro“ angesprochen werden will, was sie aber geschickt umgeht. Und der „Maestro“ verspielt sich gleich bei den ersten zwei Titeln. Die meisten Zuhörer im Saal überhörten das wohl, sie nicht. Diebische Genugtuung.

Elfenbein und Ebenholz - stimmt!

Mandy ist Klavierbauerin aus Leidenschaft, und für Klavierstimmungen und Reparaturen ist sie immer eine ausgezeichnete Ansprechpartnerin. Einer ihrer ganz großen Wünsche: Mit Profis auf Tour zu gehen, aber sie weiß, das ist nicht gerade einfach. Also hängt sie sich an ihr nächstes Ziel, die Meister-Prüfung. Dafür stehen zwei Jahre (vier Semester) Ludwigsburg im Kalender, von der zweistelligen Summe links vom Komma, die das kosten würde, ganz zu schweigen. Staatlich geprüfte Klavier/Cembalobauerin und erfolgreiche Steh-Geigerin in der Heavy Metal-Fraktion ist Mandy Seidel schon.

Kontakt: 0471 - 50 45 610

GBM, Laufpass - Ausgabe IV 2008


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