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Dünensegler

Auf dem Weg "zum Kap unserer Hoffnung"

Sänger, Gitarrist und Songwriter ist er, Gerold Böttcher heißt er und seine Freunde nennen ihn Jerry. Daran ist nichts Außergewöhnliches, kein Grund, über ihn auch nur eine Zeile zu verlieren, gäbe es da nicht sein unüberhörbares Projekt „Dünensegler“. Eine Ein-Mann-ohne Show-Geschichte, die, u.a., deutlich macht, dass man mit der deutschen Sprache durchaus klang- und stimmungsvolle Lieder schreiben und interpretieren kann, die nicht beim Schlager einzuordnen sind. Seine Liebe zu Wind, Wasser und Strand hilft ihm dabei. Jerry hat die feinen Nuancen seiner Heimatsprache für sich entdeckt, und es macht ihm „genialen Spaß“.

Angefangen hat alles während der Schulzeit, wie bei so vielen Musikern, wenn ihn auch der Gesang nur nebenbei tangiert. Schlagwerk nach Noten, ein bisschen Cello im Schulorchester, die ersten aktiven Berührungen mit der Musik. Vom Cello zum Bass ist es nicht weit, vom Bass zur Gitarre auch nicht, und in eine Schülerband einzusteigen ist wesentlich einfacher, als selbst ein ganzes Orchester auf die Beine zu stellen, um in der Freizeit so oft wie möglich musizieren zu können. 1977 hängt er nach Schulschluss des öfteren bei Freunden im Proberaum hab, die ohne Bassisten proben, obwohl Anlage und Instrument vorhanden sind. Niemand muss ihn zweimal bitten, diese Lücke zu füllen. Die Band nennt sich Wajan, spielt den damals populären Prog-Rock, der sich durch viele Tempiwechsel und ellenlange Soli auszeichnet, fernab von der althergebrachten musikalischen Schemata, und legt ihr Lied „Falkenflug“ gleich auf der ersten Rockcyclus LP ab.

Ein Freund zeigt ihm die Grundbegriffe auf der Sechssaitigen. Anhand einer einfachen Akkordtabelle und mit dem Nachspielen bekannter Hits geht der Autodidakt auf eine musikalische Wanderung. Spieltechnische Perfektion ist ihm dabei nicht wichtig. Er hat Null Ambitionen, ein zweiter Steve Vai oder Al di Meola zu werden. Viel lieber will er Atmosphäre einfangen. Wenig davon findet er in seiner Zeit bei der Bundeswehr, die auch dafür sorgt, dass erstmal Schluss mit lustig ist. Lust auf mehr kommt aber schon bald mit seiner Formation „Jerry´s Egal“ mit Thomas Fiebig am Bass von den heutigen „Dire Strats“. Ende der 80er stößt man an die Grenzen spielerischer Möglichkeiten, und jeder geht seinen eigenen Weg. Jerry probiert sich an elektronischer Musik als „A Face in the Crowd“, und schließt sich wenig später der Pop und Oldie Band Sundown an.

Bleistift und Papier trägt er nach wie vor mit sich herum, leichtes Gepäck ist leicht auf dem Weg, und im Bedarfsfall erleichtert es den Kopf von drückenden Ideen. Sundown machte schon Spaß, wie er selbst sagt, immerhin kann er bei den Jungs das singen, mit dem er aufgewachsen ist. Von Stadtfest zu Straßenfest, von Jubiläen zu Autohaus Eröffnungen, Sundown ist gefragt. Aber es ist ein Nachspielen und lässt keinen Freiraum für seine kreativen Gedanken. Jerry beschreibt in seinen Liedern die andauernde Suche nach irgendwas, den Schritt zum Aufbruch, erzählt mit reizendem Charme von glücklichen Stunden der Gemeinsamkeit, Freundschaft, aber auch von der Dunkelheit in einsamen Nächten. Das will raus gelassen werden. Da ist immer ein Hauch von Sehnsucht, Melancholie, eingepackt in den warmen Schimmer der nie enden wollenden Hoffnung, dass am Ende des Tages doch alles gut wird. So schreibt er in Deutsch. Seine englischen Songs bearbeitet und spielt er mit seinem Bremer Rock Projekt Heartliner. Und was weder für das Eine noch das Andere zu passen scheint, wird Dritten angeboten.

Im Vegesacker "Muddy´s"

Mit eigenem Material in ein Studio zu gehen, es für sich und die Öffentlichkeit dauerhaft fest zu halten, würde allerdings Sinn machen. Jerry findet in dem brillanten Bassisten und Produzenten Detlef Blanke einen Mann, der nicht nur das Potential des Dünenseglers erkennt, sondern ihn auch noch inspiriert. In Blankes Studio in Delmenhorst werden in diesen Tagen ein Dutzend Titel aufgenommen, und Jerry genießt jede Sekunde dieses solistischen Abenteuers. Er hat jemanden gefunden, dem es nicht darum geht, Mietkosten durch Aufnahmen irgendwelcher Art rein zu holen. Blanke, selbst versierter Musiker mit diversen hervorragenden Veröffentlichungen, fühlt die Seele des ehemaligen Bremerhaveners, macht aus dezenten Schwächen optimale Stärken, holt das Letzte aus den Kompositionen raus. So ergänzen sich Beide blendend, und der Dünensegler ist sich sicher, demnächst eine tolle CD in den Händen halten zu können, bevor das Jahr vorbei ist. Seine Zukunft sieht er ganz entspannt, ähnlich dem Wind, der die Dünen wandern lässt. Der Job bietet noch finanzielle Sicherheit, die Musik bleibt erstmal die herrlichste Nebensache der Welt.

Kontakt: Gerold Böttcher – 0421/16111471 oder mobil: 0176-84423751

 

VÖ im Laufpass - Ausgabe IV 2009


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