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Songs of Smoke - eine CD wie morgen

Was ist, wenn man dir verbietet, deine gerade erstandene Cola aus der Dose zu trinken? Du sollst sie aus hygienischen Gründen erst in ein Glas füllen. Was ist, wenn man dir verbietet, deine Leberwurststulle beim Spaziergang durch den Park zu essen, nur weil Gelegenheit Diebe macht? Was ist, wenn man dir untersagt, deine Mandeln raus nehmen zu lassen, nur weil du sie lieber gebrannt magst? Einer dieser vielen ersten Schritte in den ganz privaten Bereich des Menschen, das Rauchverbot, teilt die Nation in zwei Hälften, aus denen sich Splitterparteien bilden und wieder teilen, Raucher und Nichtraucher. Nichtraucher, die für Raucher sprechen, Raucher, die nach fairen Alternativen suchen, Nichtraucher, die gegen alles sind, weil ihre Ehegatten ihnen dazu raten, Designer, die Zigaretten-Packungen mit Sprüchen signieren, die einem Angst und Bange machen sollen. Nichtraucher, die auch ohne Uniform ziemlich militant protestieren, Reisende, die den Zug nehmen müssen, sich entweder in ein gelbes Rechteck auf dem Bahnsteig um einen Aschenbecher formieren, dabei meistens außer Acht lassen, die Zwischenmenschlichen zu pflegen, weil sie sich nicht entscheiden können ob sie ihre Kippen auf die Gleise flippen, oder wegen Entgleisungsgefahr lieber auf dem Boden austreten sollen. Fahrgäste im Linienbus, die darüber philosophieren, ob der eingebügelte Schweiß im Hemd des Nachbarn oder der Fischgeruch des Fließband-Rock n Rollers auf einem undefinierbaren Sitzplatz eher weg zu schnuppern sei, als der Rauch einiger Lungentorpedos. Hör auf deine Nase!

Kemal

Und so geschieht es eines wunderschönen Tages, dass unser nicht ganz frei erfundener Held, Kemal vom kuk Pfeifenraucher-Regiment, anlässlich eines Besuches in seinem favorisierten Tabakladen bei Lauenburg, über die Elbe schaut, genussvoll seinen blauen Dunst in den klaren Himmel steigen lässt, den Kerosin verlierenden Jets über ihm sehnsuchtsvoll hinterher schaut, an den Müll im Weltall denkt, die Satelliten, das erlassene Rauchverbot in Kneipen und anderen öffentlichen, aber geschlossenen Räumlichkeiten, auf Bahnhöfen, und er kommt sich vergleichsweise mickrig vor mit seiner Pfeife allen Übels, die angeblich die Luft verpesten soll.

Tief im Süden seines Musikerherzens und dem seiner Freunde wächst eine Idee, wie sie ihren Frust über dieses gesetzliche Rauchverbot völlig friedlich verdampfen lassen könnten.

Es sind also noch drei Kumpel, die zum Bund der Verschworenen gehören, Chris Brau, Anhänger der elektronischen und psychodelischen Musik, Jürgen Fastje von den Oldenburger „Romeos“ und „Heart of Gold“ aus dem Rock-Bereich, und Bassist Manuel Garde. Und es werden immer mehr. Zahlreiche Bands aus dem gesamten Weser-Ems Gebiet setzen sich mit der Thematik auseinander. Da wird getextet, komponiert, gerührt aus der Verbindung „Alles ist erlaubt“, Hauptsache, es reizt zum Überschreiten der Grenzen, exakt wie die elenden Diskussionen für und wider das Rauchverbot. Ein Sampler soll es werden, und man erinnert sich an den großen Kreis der Kollegen, die an diesem Projekt mitwirken könnten, egal, ob sie sich der Raucherei verschrieben haben oder nicht. Dampf ablassen, ohne den Finger zu erheben, Spaß zu haben beim Erfinden gezielter Texte für ihre Lieder, experimentieren mit Tönen.

Ganz wichtig ist ihnen dabei, dass die Texte und Musiken nicht nur für Blueser oder Rocker geschrieben werden. Raucher gibt es ja auch unter Späthippies, Schaffnern, und den Liebhabern der intellektuellen Branche. Und ihre Aktion fällt auf fruchtbaren Boden. Aus dem verträumten Blick über die Elbe wird plötzlich eine realistische Sichtweite.

Wer soll das Produkt finanzieren?

Was liegt da näher, als jemanden zu suchen, der unter den „Geschädigten“ zu finden ist. Der geliebte Tabakladen am selben Ufer des „Rufers“. Und er willigt ein. Die Scheibe soll ein Giveaway werden, also kostenlos verteilt. Ein Gimmick der besonderen Art, um auf schwangere Gedächtnislücken in der Gesetzgebung hinzuweisen, nicht auf die permanent steigende Tabaksteuer, von der man sagt, sie sei in deutschen Landen immer noch human, beispielsweise im Vergleich zu unseren direkten Nachbarn England, Frankreich und Skandinavien.

Jeder produziert also in seinen eigenen vier Wänden, und alles läuft zusammen bei Jürgen Fastje in Oldenburg, dem die Titel zugeschickt werden, der alles aufbereitet, mastern, sagt man wohl. Mit dem Endprodukt geht es dann zum „Auftraggeber“, der ein Ohr riskiert, sich dann aber darüber entrüstet, dass nur nachvollziehbare Texte und Musik auf dieser CD etwas verloren hätten. Niemand will aber etwas verlieren. So verteilt Initiator König eine Absage an die Pfeife, kauft zukünftig woanders seinen Tabak, und stößt dabei auf einen Mann der gerollten Blättchen-Branche, der wesentlich toleranter und offener Neuem gegenüber steht. Das Geschäft läuft. 1.000 CDs (limitierte Auflage) werden gepresst und bundesweit als vorweihnachtliches Geschenk an Tabakläden verteilt, die es an „gute Kunden“ weiterreichen. Eine limitierte, nicht käuflich zu erwerbende, ungewöhnliche Kompilation von Liedern, die ihresgleichen sucht.

Und was ist drauf?

Nun, da geht es los mit einem von Hand eingespielten flockigen Blues, gesungen von einer rauchigen Stimme der Formation Sammy´s Blues Jam, einer außergewöhnlichen Romanze zwischen Tabak und Pfeife von Jürgen und Klaus, einer rhythmischen Bingo-Bongo Hommage an das geliebte Nikotin vorm ersten Biss ins Brötchen bis nach dem Biss der ostfriesischen Wanderviper, das unverstandene, missbilligte Rauchverbot in der Stammkneipe von Nils Thomsen, Rauchsignale der Partnerin an die bröckelnde Beziehung zu ihrem Lover von M&M, dass Kaffee ohne Zigarette gar nicht geht, und alles in diversen Sprachen und anderen asthmatischen Geräuschen, die allerdings gewollt sind.

Kemal und "John Peel"

Klar, dass alle Aufnahmen in unterschiedlichster Qualität klingen, da an verschiedenen Orten eingespielt und aufgenommen, und teilweise unter skurrilen Bedingungen gemixt wurde. Aber das macht die Sache auch spannend. Spannend wird sicherlich auch die Suche nach diesem kostenlosen Kleinod, die in der Landeshauptstadt, natürlich nur in einschlägigen Läden, beginnen könnte. Oder aber man hat einen guten Freund in einer der zahlreichen Formationen, der einem ein Exemplar ganz einfach so überlassen würde. Mag der ewige Kritiker nun wieder nörgeln, das Ganze sei von der Anzahl der Titel her doch etwas überladen, so besteht in jedem Fall die Möglichkeit, sich am hauseigenen PC eine gestriemte Version mit den Favoriten zu brennen. Diese Freiheit, die ich meine, ist auch dem aktiven Raucher vergönnt, der sich ja beim Kauf seiner „Smokes“ zwischen Filter und filterlos ebenfalls entscheiden darf. Eine CD wie ein lehrreiches Buch mit vielen Seiten, durch das man auch nicht an einem Abend durchkommt. Was die normale Schlafgewohnheit betrifft, so wird die eingefahrene Mainstream-Membran sicher gefordert, aber im Bett soll ja auch nicht geraucht werden. Ach ja, beinahe vergessen, das Teil hört auf den Namen „Songs of Smoke“ und wurde bereits bei Joe Schmidt in der Sendung "Musikhaven" im Radio Weser TV (OK) offiziell vorgestellt, wenngleich auf dem Foto auch "John Peel" Kirchhoff vom "Starlight Radio" (rechts) zu sehen ist.

In diesem Sinne, have a whiskey knocking and swimsuit dropping weekend daily. 

If you're opposed to smoking and running around naked, then finish up with a guitar slinging and pocket change jingling weekend.

Wie meinen?

Nun, Interessenten dürfen es gern

mal hier beim Klaus König versuchen: 04209 67 78 319

 


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