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Aktuelles

Ramblin´Blues Band

Nix is negativ-Blues

Wenn Du Dir Sorgen über irgend etwas machst, dann hast Du den Blues – auch wenn Du ihn nicht singen kannst. Wenn Du ihn aber singen kannst, bekommst Du ihn auf diese Weise aus Deinem Kopf heraus. Und darum geht’s beim Blues, sagt Pinetop Perkins, einer der besten Mississippi Blues Pianisten und mit 96 Jahren immer noch auf jeder Bühne zuhause. Als die Ramblin´Blues Band im März 2005 ihren Gitarristen Phil McGrath verlor, dachte die unübersehbare Fan-Gemeinde, man habe der Band das Herz heraus gerissen, und die lokale Musikszene hatte sie schon fast abgeschrieben. Der Verlust schien unüberwindbar. Das Leben spielt einem so manchen Streich, aber es ist das einzige, das man hat. So das Credo des Blues, und die vier Seestadt Musiker wissen davon so manches Lied zu singen.

Einen adäquaten Ersatz zu finden, gestaltet sich in der eigenen Stadt problematisch. Mit dem Glück des Tüchtigen kann es aber auch sehr schnell gehen. Die RBB inseriert im Internet auf der Seite des Rockcyclus Bremerhaven e.V., und Hanno Bonßdorf aus Bremen beißt an. Eine Herausforderung für diesen exzellenten und renommierten Saitenzauberer, weiß er doch, dass ein McGrath nicht so einfach zu ersetzen ist, zumal da nicht nur ein musikalisches Loch ins Bandgefüge gerissen wurde, da ist auch ein Freund verloren gegangen. Aber Bonßdorf kennt keine Berührungsängste, spielt offener und jazziger als sein Vorgänger und ergänzt sich bestens mit dem gerade eingestiegenen Ralf Petersen aus Leipzig an der Sechssaitigen. Sänger und Bluesharp-Spezialist Rolf-Martin Schmidt mit coolem Rauchstimmen- Charisma, Basser Michael Schmidt und Jürgen Thomas am Schlagzeug wissen aus Erfahrung, dass eine Band mit jedem Besetzungswechsel auch neuen Einflüssen unterliegt, sie aber deshalb nicht unbedingt ihre musikalische Identität aufgeben muss. So ist zwar Bonßdorfs Nähe zu Peter Green, dem einstigen Fleetwood Mac Gründer, deutlich spürbar, aber das Publikum empfängt die Botschaft und feiert die neue Formation beim Heat Festival bei der Premiere im selben Jahr. "Can't sing the Blues in an airconditioned room" röhrt Frontmann Schmidt ins Mikrofon. Volltreffer, denn die Luft im Haus der Jugend ist zum Schneiden, da braucht sich das damalige Quintett gar nicht erst warm zu spielen.

Mit dem ersten Ton haben sie die Leute auf ihrer Seite, zeigen ihnen, dass man im Land der Baumwolle nicht anders niest als in der eigenen Republik. Wenn der Sänger pausiert, singen die Gitarren weiter. Effektvolle und souverän gespielte Soli der beiden Neuen im Wechsel mit der Rhythmus Sektion, eine rollende und stampfende Basis von Bass und Schlagzeug, knackige Blues Power, die einem angenehme Schauer in der Rückengegend besorgt. Gespielt wird was Spaß macht, Vorschläge kommen vorwiegend von Hanno und Rolf, man legt sich auf keine Autoren fest, und wenn der Song dann auf der Bühne gespielt wird, ist es eh eine eigene Interpretation, kein Nachspielen. Die Fünf sind überzeugender Support für Größen wie Rock n Roll Altmeister Chuck Berry und lassen ihn wie einen "alten" Meister aussehen, bilden gern und gekonnt den musikalischen Rahmen bei Vernissagen und Aufführungen von Theatergruppen, wie, z. B., Instant Impro aus Bremerhaven. Leidenschaftlich überschreiten sie dabei die Grenzen zwischen den verschiedenen künstlerischen Disziplinen, lassen keine Zweifel aufkommen, dass ihr, mit viel Spielwitz versehener Blues mehr als nur eine rein amerikanische Musik ist. Wichtig ist ihnen dabei der ganz persönliche Ausdruck und die Inspiration des Moments auf der Ebene zwischen Tradition und Moderne.

In ihren Adaptionen und Neuinterpretationen spiegelt sich deshalb auch die mitunter recht raue Lebenswirklichkeit der Küste wieder. Sie überzeugen weil sie fühlen, und man nimmt ihnen ab, was da von der Bühne kommt. Vier Jahre läuft das so ganz prima. Da reicht Gitarrist Petersen zum großen Bedauern aller seinen Abschied ein, will sich ab sofort nur noch um sein Baby, Sammy´s Blues Jam kümmern, mit denen er ausschließlich an selbst komponierten Titel arbeitet. Mag durchaus sein, dass man sich nun bei der RBB entschließt, raus zu lassen, was auf der eigenen Seele juckt, und sich zukünftig auch um eigenes Material bemüht. Bis dahin werden weiterhin eigene kleine Festivals in der Seestadt und umzu von der Band organisiert, Gäste aus der ganzen Republik eingeladen, wie jüngst Blue Mama´s Blue Kitchen aus Rottweil am Neckar, mit denen sie zusammen einen grandiosen Abend bespielten. Da kam kein in Ehrfurcht erstarrter Schimmelpilz-Blues von der Bühne, sondern frisch gespielte Klassiker, die berührten und klangen, als seien sie gestern erst geschrieben worden, und die Bremerhavener machten klar, dass sie weder den „Neggabriggebluus“, noch irgendeine andere Combo dieses Genres zu fürchten haben.

1987 gegründet, ist diese Band noch lange nicht am Ende und wird ihren Fans noch so manch „Blaues Konzert“ bescheren. Aber Vorsicht, it´s cool,man, man kann nämlich auch ganz schnell süchtig nach dieser Musikart werden, wenn die RBB die Tür zum Blues öffnet.


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