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Jamey Rottenkorpse & the Rising Dead

Whodoo u think me am?

Es ist wenige Sekunden nach Mitternacht auf dem Leher Friedhof, Scheißwetter, aber die Frisur sitzt, und mein Rocabar verströmt ein feines Odeurle an dieser ungastlichen Stätte. Vielleicht hält das den Ghoul (Leichen fressendes Fabelwesen), mit dem ich hier eine Verabredung für ein Interview habe, ein bisschen auf Distanz. Angst habe ich nicht. Da öffnet sich knirschend die Gruft, und langsam schiebt mein Rendezvous sich aus der Tiefe, Jamey Rottencorpse von den Rising Dead, gegen den Alice Cooper mit Leichtigkeit die Weinkönigin von Stade sein könnte.

 

Ohne lange Ansage will ich wissen, was geht. Er hält mir einen Zettel hin, auf dem die Namen seiner Bandmitglieder stehen. „Damit du das später auch richtig zu Papier bringst“, nuschelt er durch seine maroden Lippen. Ich will meine Taschenlampe drauf halten, da rulpst er mich an: “Lass bloß das Teil aus, du Honk, weißt du wie weh das tut?“ Na gut, lese ich es eben später.

Drei Jahre ist er den Vorgaben einer vermeintlichen Schatzkarte gefolgt, auf der die Gräber der angeblich besten Musiker des Universums eingezeichnet waren. Vorbilder wie Misfits, Wednesday 13 oder Calabrese haben ihm gezeigt, wie man es anstellt, auch als Post-Vitaler (Untoter klingt so negativ), Außerirdischer, oder sonst wie anders Gearteter im Musik-Business Erfolg zu haben. Als Horror-Punk Band können wir auch endlich einmal ungeschminkt auf die Bühne. Dieses elende Make-Up immer, wenn man, z.B., nur Bier von der Tanke holen will, nervt nämlich unglaublich.Das klingt einleuchtend.

Sarg-o-fags

Aber die Schatzkarte war ein Schwindel, und so hatte er plötzlich nur musikalische Stümper in der Band, was ihn stinkig machte. Das kann ich bestätigen. Weil ihm der Elan fehlte, weiter zu suchen, muss er sich nun mit modernem Horror Punk zufrieden geben. Seine Gesellen sind bestraft genug damit, das spielen zu müssen, was er komponiert und textet. Beim ersten Treff in seiner Krypta hat er ihnen ihre Aufgabe klar gemacht, nämlich Musik für ihn zu machen. Sonst würde er sie postwendend wieder woanders verbuddeln. Und so handeln seine morbiden Texte, wie könnte es auch anders sein, von den wichtigsten Dingen in seinem Leben: Tod, Gewalt, ein wenig Sex und vom Teufel. Eben exakt das Zeug, aus dem „B-Movies“ gemacht werden.

 

Gibt es für solch einen Haufen Moderndes eigentlich auch Orte, an denen sie auftreten dürfen? will ich wissen. Oh ja, und wie! Jamey schaut mich ungläubig aus seinen triefenden Schellfischaugen an. Wir hatten am 30. Oktober unser einjähriges Bühnenjubiläum, unseren 13. Gig, und das als Headliner des „BMB-Festivals“ im Bremer Meisenfrei. Wir standen schon mit Kitty in the Casket aus Wien und The Crimson Ghosts aus Köln auf der Bühne, denen heute noch von unserem bissigen Auftritt schwindelig ist, wie sie uns auf My Space schrieben. Das sind Erinnerungen. Nicht viel anders erging es den Punks in der Hamburger Markthalle, als wir das Land Bremen beim „Emergenza Nord-Finale 2010“ vertraten. Am 18. Dezember 2010 werden wir in Jena im berüchtigten „Café Wagner“ mit Dead United die Bühnenbretter abholzen und Sargdeckel draus schnitzen. Mein Traum ist, unbedingt mal mit Boris Karloff, Bela Lugosi und Elvis einen Song zusammen machen, Musik ich, Text Edgar Allen Poe. In der Hoffnung, dass sie nie in die Seestadt kommen werden, frage ich mutig, was sie bevorzugen, große oder kleine Bühnen (Bremerhaven hat ja nur kleine für dieses Genre). Wir lieben kleine Bühnen, weil wir unseren potentiellen Opfern da näher sind, hechelt Jamey, während es auf den großen allerdings schwieriger ist, von einer Mistgabel erstochen zu werden. Ich hab es befürchtet. Dann passt leider „Stoppt das Bühnensterben“ auch nicht in ihre Thematik? Nein, allerdings nicht, eher das Gegenteil, muffelt er unter seinem Gesichtslappen hervor. Beispielsweise wollen wir es schaffen, dass jeden Tag Halloween ist und „Hartz IV“ in Blutbeuteln und Gehirnen ausgezahlt wird.

Under ground drugstore

In meinen vier Wänden lese ich die Besetzungsliste auf dem verwesten Fetzen Papier: Dr. Herbert Boomstick † (Schlagzeug), Riot Earp (Bass), TomTom Scumbag † (Gitarre, Gesang), Frank van Stein (Gitarre), Moldy Oddfingers † (Kaos Pad, Gesang), Jamey Rottencorpse † (Gesang). Die Kreuze stehen für die Gründungsmitglieder. Wie sinnig. Und weil die Rising Dead heraus gefallene Augen sammeln wie Andere Briefmarken, laufen sie zusätzlich mit ihren sexy Zombie GoGos Candy und Lucy van Rotten auf. Der neue Pakt mit „Fright Night Booking“ soll fruchtbare Ergebnisse bringen, da Auftrittsmöglichkeiten weder in dieser Stadt noch im Umland wirklich dick gesät sind. Mir kommt das Zitat in den Sinn: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall. Geh nach Bremen und werde dort Stadtmusikant.“ Wie wärs denn mit einem Gig im Bremer „Modernes“. Da kommt immerhin das Wort „Moder“ drin vor.

 

 

VÖ im Laufpass IV 2010


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