Home  |  Gästebuch  |  Links  |  Kontakt  |  Impressum  
Aktuelles

Zambo - Rock 'n' Roll Zirkus mit ambitionierten Texten

v. l. n. r.: Manfred "Jupp" Klitzka, Karl-Heinz Mittrowann, Gerd Schönfeld, vorn v. l. n. r.: Peter Lerch, Werner Spohn

Wenn es überhaupt einen „klassischen“ Beginn einer Popband gegeben hat, dann mag der so ausgesehen haben. 1966 nennen sie sich „Four“ weil sie vier junge Männer mit dem selben Ziel sind, Musik zu machen, Werner Spohn, Gitarre und Gesang, Peter Georg Schmidt am Bass, Joachim „Pummel“ Purrmann an der Solo Gitarre und Willy Szyslo an den Waschpulvereimern, die ein Schlagzeug ersetzen sollen. Allerdings halten sie dem drivenden Beat Willy´s natürlich nicht annähernd so lange stand wie echte Felle und müssen permanent erneuert werden.

Sprachlich versiert geben Titel wie „La poupée qui fait non“ von Michel Polnareff und Donovan´s „Season of the witch“ dem Repertoire gleich einen internationalen Anstrich.
Unterscheiden sich die Beatbands damals noch dadurch, dass sie sich auf eine Favoritenband im Nachspielen konzentrieren und sich dadurch einen Namen machen, will Frontmann Spohn schon mehr. Bei seinen Ambitionen zum Songwriter hilft ihm erst einmal  sein Schulenglisch. Kann man sich doch da erst einmal ausdrücken wie man möchte, wird nicht sofort von jedem kritisiert. Also kritisch: „War is a bad thing“, eines der frühen Werke.

Aber als deutscher Schreiber in deutschen Landen gehört es sich eigentlich, Gesicht zu zeigen, mutig zu sein und auch deutsche Texte zu schreiben. Absolutes Muss für Spohn ist zu dem Zeitpunkt Udo Lindenberg. Das ist ein gewagter Riesenschritt vom Nachspielen zum eigenen Material, und Werner sucht neue Mitstreiter.
Die findet er 1977 in den drei außergewöhnlichen Mannen von „Plasma“, die sich mit Interpretationen von „Emerson, Lake & Palmer“ schon vom herkömmlichen Rock und Roll und Blues-Zirkus abheben. Jupp Klitzka, Solo Gitarre, Rolf Munk am Bass und Gustav Augustat am Schlagzeug. Diese Besetzung macht schnell von sich reden und bestreitet schon mal das Vorprogramm bei den angesagten Vinylknechten der Wesermarsch, „Cravinkel“, die immerhin schon einen Deal bei einer Major Company vorweisen können.

„Plasma“ löst sich auf, und bis auf Rolf Munk bleiben alle bei Werner, um eine neue Formation zu gründen. Es fehlt eigentlich nur der vierte Mann.

Werner ist Deutschlehrer, und durch einen Zufall erfährt seine Kollegin Karin Schönfeld von Werners Plänen. Sie erzählt ihm, dass ihr Mann Gerd ebenfalls Musiker ist, und die „Black Beats“ seien gerade in ein künstlerisches Loch gefallen und würden eine schöpferische Pause machen. Allerdings ist Gerd Gitarrist.
Um dabei zu sein, lässt er sich bereitwillig von Jupp in Einzelsitzungen den Bass näher bringen. Es wird viel und konzentriert geprobt, erst im „Riverboat“. Danach finden die Vier im Fischereihafen einen geeigneten Raum.

Den ersten öffentlichen Auftritt gibt es dann schon 1978 im legendären „Quincy“ von Wolfgang Cyss in der Borriesstraße, den zweiten bei einem Klassentreffen, und der Name ist jetzt „Zambo Circus Band“ und wird zum „talk of the town“.

Ähnlich wie im englischen Kultfilm „Spinal Tap“ explodieren die Drummer zwar nicht, aber sie wechseln doch recht häufig. Augustat macht sein Patent und fährt zur See, es kommt der Mann aus Gerd Böttchers „Heads and Steel“, Günter Düring. Ihm folgt Jochen Ide, der irgendwann nach Düsseldorf umzieht, um ein Coloradofarbener Cowboy  im Marlboro-Mantel zu werden, und Günni steigt wieder ein. Nach kurzer Zeit kommt für ihn der zweite „Black Beat“ Peter Lerch.

Jupp, der sich im privaten Hörbereich in Richtung „Wishbone Ash“ orientiert, wünscht sich für 2-stimmige Gitarrenläufe einen weiteren Mann an der Sechssaitigen.
Charly Hahn steigt in ´s Boot, rudert kräftig mit, gibt neue Impulse.
Der Kurs bleibt erhalten, ist doch der „Capitano“ immer noch Werner.

v. l. n. r.: Manfred "Jupp" Klitzka, Peter Augustat, Werner Spohn, Gerd Schönfeld

1980 die erste Verewigung mit den eigenen Titeln „Easy Rider“, „Bremerhaven, altes Haus“ und „Kinder sind hier in der Stadt“ auf dem "Rock Cyclus"-Sampler.

Die ersten nennenswerten, bundesweiten Erfolge stellen sich ein mit der Kopplung auf einem Sampler, auf dem u. a. auch Achim Reichel vertreten ist.
1982 dann der erste schwarze, aber eigene Longplayer „Dreht euch nicht um“, aufgenommen in der „Rockfarm“ in Schwanewede, mit den Anspieltipps „Die Fischotter sterben aus“ und „Sonne im Blut“, die jedenfalls von den Fans bei jedem Auftritt lautstark gewünscht werden. Zu diesen Live-Konzerten laden sich die Fünf gern Doc Horsmann am Saxophon ein.

Aber schon während der Aufnahmen zu dieser LP steht fest, Gerd Schönfeld wird wieder zu den reformierten „Black Beats“ zurückgehen, die es seit dem legendären Beatfestival ´85 in der Bremerhavener Stadthalle noch einmal wissen wollen. Die ewigen Wechsel zerren an den Nerven und so kommt es 1982 zum Bruch. Daran kann auch leider die Verkürzung des Namens auf „Zambo“ nichts ändern.

Wer aber seine Ideen weiter verfolgt, „Sonne im Blut“ hat und genügend Energien und Material um weitere Alben zu füllen, der gibt nicht auf.
Jupp und Werner, seit eh und je schon immer die dicksten Freunde, greifen sich Jörg Reim für den Basspart ab, Manfred Fox für die Trommeln und Birthe Schäfer, als erste weibliche Vertreterin ihres Geschlechts, für die Tasten.
Neue Besetzung, neues Material, neues Glück?
Die neue Generation der Schreiberlinge bei der Lokalredaktion jedenfalls, deren Sichtweite sich auf Punk und Independant Rock beschränkt, findet alles altbacken und verkniffen. Und so gibt es zum Mutmachen pressetechnisch erst einmal kräftig was auf die Ohren, respektive, Augen.

Das motiviert die Band, sich 1985 erneut aufzulösen. Es gibt dann noch einen dezenten Versuch, Spohn´s eigenes Material zu veröffentlichen mit Peter Lerch, Gerd Schönfeld, Charly Hahn und ihm selbst. Der Radiohit „Norddeutsche“ Menschen, der wohl auch Auslöser zur Neuformierung ist, macht von der norddeutschen Tiefebene bis zum Weißwurstäquator die Runde. Selbst Jörg Sonntag, heute noch engagierter Macher beim Bremer Fernsehen, wird aufmerksam und verpflichtet die Bremerhavener für einen TV Auftritt.

Das war ´s dann aber auch. Weshalb weiß niemand so richtig.
Schluss. Ende. Aus.
Schluss? Spohn macht allein weiter. Und wie, erst mit Jürgen Kemna als „Spohn und Kemna“ und seit dem Jubiläums-Konzert des "Rock Cyclus" im Lehe-Treff im Dezember 2007, auf dem „Zambo“ ihr Comeback spielen, auch wieder in dieser Besetzung.

 

Das Comeback 2010 (unter Bands heute)


Keine Artikel in dieser Ansicht.

mehr Aktuelles