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The Knechtsand

Foto: C.Petermann
Sebastian Tischer

Wo de Nordseewellen trecken an de Strand, wor de geelen Blöme bleuhn int gröne Land, wor de Möwen schrieen gell int Stormgebrus, dazu die Prise salziger Meeresluft, die nach Abenteuer schmeckt. Es gab eine Zeit, etwa zehn Jahre ist es her, da lohnte sich das Inhalieren und der Blick über das Wattenmeer vom „Schloss Morgenstern“ in Weddewarden noch. Links der Hafen, rechts das Wurster Watt und der Große Knechtsand, das Mausergebiet der Brandgans, Liegeplatz unzähliger Seehunde. Für ein paar Stunden vom Deich aus gut zu sehen, bis die Flut kam und die Sandbank wieder zudeckte. Sebastian Tischer, Sänger und Texter der Pop Rock Band The Knechtsand aus dem nördlichen Landkreis, der dieses kaum begehbare Paradies für sich entdeckt hat, konnte sich keinen passenderen Namen für seine Band vorstellen, als den, der all seine Sehnsüchte auf den Punkt bringt, ein Name so groß wie eine Insel.

Sebastian wird zum ersten Mal auf den Namen Knechtsand hingewiesen, als er im Kindesalter seinem Freund, dem Bauer Hans im Land Wursten, beim Heu Einfahren hilft. Der erzählt ihm die Geschichte dieser „Insel“, und bis heute sind die Worte in Sebastians Herz gebrannt. So handeln viele seiner Songs vom Aufbruch, vom Weggehen, vom Reisen und unterwegs sein, vom Abschied nehmen und natürlich über allem, von der eigenen Vorstellungskraft. Die Musiker in seiner Band, Markus Winstroer (Gitarre, Geige), Konstantin Winstroer (Bass), Jürgen Dahmen (Piano) und Wolf Simon am Schlagzeug, teilen diese Vorstellungskraft. Alle haben bereits in diversen anderen Formationen gespielt, bringen reichlich Live Erfahrung auf die Bühne. Dass sie auch im Studio ausgezeichnet atmosphärisch Texte untermalen können, beweist ihre CD „Reisen“, aufgenommen bei Gerald Neumann in „Elrond´s House“ in Düsseldorf. Und weil es ihnen dort so gut gefällt, wird auch das zweite Album „Souvenirs“ dort produziert. Zwei Titel auf „Reisen“ gingen durch die Finger von Edo Zanki, verantwortlich für die Remixe, und bis auf zwei Werke stammt das Material aus der Feder der Fünf.

Foto: C.Petermann
v.l.n.r.: J.Dahmen, S.Tischer, K.Winstroer, M.Winstroer

„Auf der Reise“ wurde ursprünglich von Ulla Meinecke und Mimi Poulakis für Zanki geschrieben. Unter dem Text von Tischer „In dieser stürmischen Nacht“ liegt die Originalmusik von Daniel Lanois. Diese Worte sind in deutscher Sprache, aber ganz gewiss nicht platt. Sie kommen aus der Tiefe seines Herzens, welch „Wunder“, hat er die meisten Geschichten doch selbst erlebt, das Elend auf den Straßen dieser Welt gesehen. Das sind Verankerungen, die von seinen Kollegen musikalisch bestens umgesetzt werden. Die CD von The Knechtsand hört man am besten über eine geile Anlage in den eigenen vier Wänden oder im Auto, sagt der Autor, wenn man durch die Landschaft fährt. Dann allerdings sollte die Chance bestehen, bei einer spannenden Passage mal schnell rechts ab zu biegen, um sie vollends genießen zu können, ohne durch ungewollte Ablenkung eine fette Linde am Wegesrand zu küssen. Weil die einzelnen Mitglieder Band aus beruflichen Gründen häufig über die gesamte Republik verstreut sind , proben sie nur 1-2 Mal vor einem Konzert. Ihr Talent, und das dazu gehörige Können machen es möglich, dass die Qualität ihrer Live Auftritte nicht im Geringsten darunter leidet. Im Gegenteil, man erlebt die Lust am Musizieren bei jedem gespielten Ton mit Augen und Ohren, den Fenstern des Herzens und der Seele, und das immer wieder auf´s Neue. Neben ausgefeilten und anspruchsvollen, dennoch leicht in den Gehörgang gehenden Arrangements, ist das Genießen der Freiheit in ihren Improvisationen deutlich spürbar.

Als Frontmann Sebastian eine wunderbare Geschichte für seine Kinder erfindet, sind die Kollegen Feuer und Flamme, das „Projekt“ mit eigener Musik zu unterlegen. Im November diesen Jahres soll die Arbeit an dem Hörspiel beendet sein. 2012 stehen die Zeichen auf mehr Livehaftigkeit und einem neuen Studio Album. Noch sind sie „independent“ im Sinne von unabhängig, oder „freedom´s just another word for nothing left to lose“. Wer weiß schon wie lange noch. Promoter, Produzenten und Plattenfirmen sollen den Bekanntheitsgrad einer Band fördern, aber vertragliche Bindungen haben musikalische Freiheit und kreativen Enthusiasmus nicht gerade selten in die Knie gezwungen. Da kommen The Knechtsand zahlreiche Erfahrungen zugute. Ihre Bodenständigkeit aus gelebter Vergangenheit wird ihnen den rechten, wenn möglicherweise auch weiten Weg weisen. Zu wünschen ist es ihnen.

 

VÖ im Laufpass Ausgabe November 2011


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