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Gescheiterte Existenzen

die Existenzen

Sonderbarer Seltsamen, wenn sich im jugendlichen Alter schon die „gescheiterte Existenz“ abzeichnet, auch wenn man zuvor noch als „vergifteter Hamzter“ seine Spuren zog, oder als Fish on Wheels am Haken hing. Kein wirklicher Grund zur Sorge, Namen von Bands sind wie Schall und Rauch. Meistens macht es Puff, und sie haben sich lautlos verzogen und in Luft aufgelöst. Es sei denn, da ist etwas, das man nicht vergessen kann, etwas, das einem sofort eine Assoziation zum Namen liefert, beispielsweise, geile Mucke mit Wiedererkennungswert. Die ist im Allgemeinen Geschmackssache, und ähnlich sehen es auch die Punkritter von Gescheiterte Existenzen aus Bremerhaven.

 

Sich gut zu finden, ohne sich verloren zu haben, das liegt den Deutschpunkern Sven „Borke“ Borkowski (Gesang), Nils Franke (Gitarre), Uwe Wichmann (Bass), und Jan Lückert (Schlagzeug). Es war immer Punk, und linientreu soll es auch bleiben. Da macht es nichts, dass die Vier bis Herbst 1995 in anders gearteten Formationen ihre Weisheiten und Fingerfertigkeiten sammelten. Bei einer Feier des Schulzentrums Carl von Ossietzky stehen sie wieder vereint, wenn auch noch vor der Bühne. Das soll anders werden. Sie haben sich immer noch lieb, und die Gemeinsamkeit der Musikrichtung ist auch noch da. Ein Ziel findet sich auch recht schnell im „Herbstrockfest“ 1996 der Heinrich-Heine Schule. Ein Jahr wird ausreichend sein, um wieder Bäume ausreißen zu können, und für jeden ausgerissenen wieder einen einzufangen, durch den Park zu punken, um in Pfützen zu springen und drin zu verschwinden, wieder auftauchen, um in der eigenen Mucke zu versinken. Was stören da schon Arbeitslosigkeit beim Einen, Fach-Abi beim Anderen, Schule oder Lehre beim Rest, die Welt retten sollen Andere. Alles geschieht aus einem Grund, die Namensgebung aus einer Laune. Deutsche Texte liefert Borke, die Musik dazu kommt meistens von Nils, und dann wird gemeinsam geschweißt und gelötet, bis der Rocker endlich steht und von Geschichten erzählt, die vom täglichen Leben im Abseits bis hin zu Franzi von Almsick reichen.

 

Und das bringt ihnen den 1.Platz beim Bandwettbewerb in der Seestadt, den vierten beim „Live in Bremen“, wenngleich letzterer durch eine geniale Idee errungen wird. Die Existenzen spendieren 100 Liter Freibier, um ihre Fans nach Bremen in den Schlachthof zu locken, fahren mit ihnen nach dem Soundcheck wieder nach Bremerhaven, vernichten die Gerste und wieder zurück in die Hauptstadt. Logisch, dass sie den größten Bölkblock mit enthusiastischer Stimmung vorzuweisen haben. Hölle und Sand, Bremer Bands in ihren eigenen Hallen zu schlagen ist eh so gut wie aussichtslos. Mitte der 90er teilen sie sich noch die Bretter mit den Gladiatoren von Silk, Schwarz Weiss, und anderen, bis es nix mehr zu teilen gibt, weil eine Bühne nach der anderen verschwindet. Es wird ruhig um sie, und zwei Gigs im Jahr müssen genügen, was ihre Familien nicht gerade unglücklich macht. Die Miete zahlen nun mal ihre Jobs, und die wollen ernster genommen werden als das Hobby. Mucken soll Freude bringen, den Mist aus dem Seelenstall kehren, und allen Ärger anschmieren. Dafür eignet sich, u.a., die „Farmers Fete“ in Padingbüttel perfekt. Statt des schnöden Mammoniums gibt ’s Lorbeer und Bier, jede Menge Adrenalin und Spaß bis zum Abwinken. Mit ein bisschen Glück und Überzeugungskraft hat man dort nach einem gelungenen Auftritt mehr Fans an den Hacken als CDs im Regal eines Presswerks.

So richtig offiziell wurden die Exis auch noch nicht versilbert, aber gern erinnern sie sich an die Zeiten im „Fishton-Studio“ von Matthias Strass und Matze Petereit. Bis auf diverse Livemitschnitte wurde dort alles auf Band gebracht, was jemals ihrer zügellosen Kreativität entsprang. Wie soll es nun weitergehen? Wünschen, wünschen, wünschen, oder selbst organisieren, oder vielleicht doch die Recken von damals ansprechen, um wieder gemeinsam ein irdisches Walhall zu entflammen? Die Zeit wird es zeigen. Bis dahin wollen die Jungs rege und existent sein, jedenfalls nicht fleißig scheitern.

 

Kontakt: Nils Franke über existenzen@nilsfranke.de


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