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Das Bluesical – Symbiose unterschiedlichster Sprachwelten und Genres

Frank Teichgräber(l.)Martin Wohlers

Was könnte schlimmstenfalls dabei herauskommen, wenn ein plattdeutsch spielender Gitarrist als Hafenarbeiter verkleidet sich mit einem schreibenden Moorläufer zusammen tut? Vielleicht eine Arche Noah zur Erhaltung singender Bäume oder ein 90 Minuten-Kurs zum geschmeidigen Umgang mit plattdeutschem Sprachgut? Am Anfang war da nur das anarchistische Getrommel Frank Teichgräbers, von dem Plattrock-Gitarrist Martin Wohlers glaubt, dieser Stil würde prima zu dem passen, was er und seine Band nach vorne bringen könnte. In Wremens Künstlerhaus treffen die Beiden aufeinander und haben sich bis heute nicht mehr losgelassen.

Es ist wohl in erster Linie die innige Liebe zur Improvisation und Spontaneität, der Glaube an die Sinne, weniger die virtuelle Existenz. Wohlers schreibt Texte zu seinen bluesigen Kompositionen auf plattdeutsch. Ungewöhnliche Harmoniefolgen und eigenwillige Phrasierungen, immer offen für akustisches Treibholz aus Übersee, wie nordamerikanische Einflüsse aus dem Jazz, südamerikanische Rhythmen, spanische Gitarrenmusik, Klassik, versehen mit der plattdeutschen Sprache, die moderne Idiome und Slangs assimiliert und gerade dem Blues eine angenehme Dosis Melancholie verleiht. Diese Art, sich musikalisch zu artikulieren gefällt Frank Teichgräber seit eh und je. Vor allem ist er fest davon überzeugt, dass es nur sehr wenige Seelengefährten gibt, die einander jemals im Physischen begegnen. Schon als Schüler schreibt er fantastische Geschichten.Nach der Ausbildung zum Fernmeldetechniker arbeitet er als Gärtner, Landschaftsbauer, gönnt sich aber immer einen Freiraum als aktiver Musiker. 1997 widmet er sich der Schriftstellerei, die sich an kein bestimmtes Genre anlehnt. Er nutzt dafür eher unterschiedlichste Formen des sprachlichen Ausdrucks, um dem Leser seine innere Welt näher zu bringen, eine Art magischer Realismus.

In über drei Jahrzehnten gemeinsamer Arbeit entwickeln die beiden Vollblut-Musiker

ein intuitives Verständnis im kreativen Umgang mit Komposition und Improvisation.

Das Plattdeutsche nimmt einen gewichtigen Anteil ein, um diese norddeutsche Ursprache, im Grunde Muttersprache nicht nur hinterm Deich, am Leben zu erhalten. Gemeinsam lassen Wohlers und Teichgräber diverse Stationen auf ihrer Reise hinter sich, Prof. Patzig´s Free Funk Big Band, Survival Jazz Quartett, Blues Trio und andere, um dann 2010 erneut aufeinander zu treffen, im Kopf eine neue Kunstform, das „Bluesical“.

Um das zu realisieren braucht es keine aufwendige Beschallung mehr, kein Schlagzeug, es genügen ein Cajon (Holzkistentrommel) und die akustische Gitarre. Leichtes Gepäck ist leicht auf dem Weg und hält die Kosten niedrig. Natürlich werden die Stimmen weiterhin per Mikrofon übertragen, aber damit hat es sich dann auch. Minimalistisch die Anlage, die Instrumente, kurzweilig das Repertoire, teilweise zum Nachdenken animierend, mal auf platt, mal hochdeutsch, mal komisch, mal bierernst, aber immer originell und körpernah am täglichen Leben. Mystische und kauzige Anekdoten, sinnige Gedichte, tragikomische Geschichten über Erfolg und Misserfolg. Und das kommt prima bei den Zuhörern an. Wenn auch alles Neue es anfangs schwer hat sich durchzusetzen, Wohlers und Teichgräber lassen sich nicht entmutigen. Ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, ihre 90minütige Botschaft zu verbreiten, sind sie zumindest dort wo sie waren, immer wieder gern gesehene Gäste.

„Moorläufer und der Seelenbaum“ ISBN 9783837007046

„Telepathische Triangel - oder - können Bäume singen?“ ISBN 3-938848-24-3

CD „Hein Seemann un de plattdütsche Blues“ 2011 bei Moonsound-Records / Hamburg.
Kontakt und mehr Info unter: www.pondminer.de


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