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40 Jahre Black Beats - und kein bisschen heiser

Das Bild hier links verdeutlicht: Spaß mit Musik zu verbreiten setzt harte Arbeit voraus und ist die eine Seite, Spaß daran zu haben, sich nicht so wichtig zu nehmen und über sich selbst lachen zu können, die andere. Beides beherrschen die Vier mit Stil.

Bevor Bremerhaven Mitte der 60er Jahre zur Hochburg der Beatmusik wird, braucht es erst einmal die Pioniere, die den Weg dorthin ebnen. Horst-Dieter Brinkmann, Kalli Kallweit und Gerd Schönfeld, gestern noch Linksaußen-Knappen und Wasserträger im heimischen BSC 04 Fußballverein, eifrige Pennäler der Paula-Modersohn-Schule, werden durch ihren gemeinsamen Traum über Nacht zu Beatjüngern der ersten Stunde. 1963, das Jahr der großen Veränderung, es ist die Zeit des Rhythmuswechsels. Die Beatles und „Pilzköpfe“ sind in, Rundschnitt, Petticoats sind out, Beat gegen Rock n Roll, und die Drei sind fasziniert von der „Hottentottenmusik“, wie ihre Eltern sie nennen.

Kurzauftritt in der Bingo-Pause

1965 werden die „Pinky Pigs“, die bis zu diesem Zeitpunkt nur im kleinen Kreis vor Freunden ihre musikalischen Qualitäten ansatzweise erkennen lassen, durch den Schlagzeuger und Freund Klaus Sültmann zum Quartett und nennen sich „The Black Beats“.
Es sind dann auch die Mannen um Stefan Remmler, die der jungen Formation während einer Bingo-Pause im Wulsdorfer Gorch-Fock-Heim die Möglichkeit zu einer „Einlage“ bieten.
Durch diesen Kurzauftritt wird der inzwischen verstorbene Heimleiter Rolf Köhler auf sie aufmerksam, entwickelt ein Faible für die Frische und Ungezwungenheit dieser vier Teenager, die er nur durch ihre Freizeitaktivitäten um die Tischtennisplatte kennt, und nimmt sie fortan unter seine Fittiche. Das alles stärkt ihr Selbstbewusstsein ganz enorm, und somit ist die erste Weiche gestellt. Es folgen Auftritte im gesamten Stadtgebiet, aber auch Zeven, Stade und sogar Bremen sind keine Ausnahmen mehr. Plötzlich ist der Name „Black Beats“ in aller Munde, ihre ureigene Art der Interpretation großer Namen in jedermanns Gehörgang.

Gescheitertes Comeback

Hat der Beat Mitte der 60er Jahre kurzzeitig den Rock n´ Roll verdrängt, so, wie der aus dem Blues geboren wurde, und die Bands wie Unkraut aus dem Boden schießen lassen, so wird der jetzt durch die Diskotheken zu Grabe getragen, die viele Künstler brotlos machen. Es wird für die meisten Hobbymusiker immer schwieriger, sich den neuen „Hörgewohnheiten“ des Publikums anzupassen und die Hits auf der Bühne live zu spielen.
Mag sein, dass dieses ein entscheidender Grund für das Scheitern eines Comebacks in ihrer alten Wirkungsstätte, dem Gorch-Fock-Freizeitheim ist, mag sein, dass die Generation der Discogänger die „Black Beats“ nur noch vom Hörensagen kennt. Die Aussichten sind so entmutigend, dass alle ihre Instrumente in ihren Kästen verschwinden lassen.
Alle? Nein, nicht alle. Kalli Kallweit geht durch die harte Schule der „gehobenen“ Unterhaltung, spielt mit „Candy Box“ und „Belcantos“ auf Hochzeiten und Galas und dem damaligen für Live Mucker noch einträglichen Landkreis, während es Gerd Schönfeld in der „Zambo Zirkus Band“ um Werner Spohn, die schon mit eigenen Songs aufwartet, rockiger angehen lässt.

Auftritte mit Topstars

Und die Vier spielen und spielen, werden vom begeisterten, und ständig wachsenden Publikum zu „Lokalmatadoren“ gekürt. Die Zeit ist reif, ihr Wirken für die Nachwelt auf Vinyl zu pressen. Zusammen mit ihren Freunden von den „Tombstones“ und „Griffins“ wird 1984 in Rainer Draegers „Tongrube“ in Wehdel eine Langspielplatte mit Coverversionen ihrer  „Helden“ eingespielt. Die LP ist schnell vergriffen, wird inzwischen als Rarität gehandelt, vor allem aber beschert sie zumindest den „Black Beats“ die Möglichkeit, neben Stars wie Tony Sheridan (ehemaliger Beatle als die „Beatles“ noch „Beat Brothers“ hießen) und den bundesweit erfolgreichen „Black Stars“, vor einer großen Kulisse zu bestehen.
In der „Schleuse“ im Columbuscenter sind sie 1987 dann endlich da, wo ihre Sehnsüchte schon lange vor ihnen waren, als fester Programmpunkt neben Tremeloes, Marmelade, Scott McKenzie, den Mamas und Papas und etlichen anderen Topstars. Dave Dee, Frontmann der damaligen Chartstürmer „Dozy, Beaky, Mick and Tich“ ist von den Bremerhavenern so angetan, dass er nach dem Konzert spontan mit ihnen im „Lili Marleen“, derzeit die angesagte Musikkneipe der Szene, weiterspielt.

Discomucke kann Wirkungskreis nicht einengen

1990 feiert die Band mit „Soldier´s Return“, „George B. & the Bees“, vielen anderen Kollegen, Freunden und über 2.000 Fans ihr 25-jähriges Bestehen im Columbus Center.
Synthetisches Disco - Gestampfe und monotone, maschinelle "Musik", geboren aus der Verbindung von Steckdose zu Computer, den beiden extremsten Seiten der tonalen Leblosigkeit, haben ihren Wirkungskreis nicht einengen können.
Ganz entscheidend ist bei diesen Live-Konzerten immer noch das Feedback zwischen Musiker und Publikum. Die Zuhörer sind in das, was von der Bühne kommt mit einbezogen und geben es an die Band zurück. Das äußert sich durch tanzen, mitsingen und natürlich donnernden Applaus. Die Band wächst dann über sich hinaus, gibt alles bis zur völligen Erschöpfung. Musik muss wohl nicht perfekt aber lebendig sein.
Wenn Peter Lerch, der sich gern unter´s Publikum mischt, auf die Frage nach der Überdrüssigkeit des Nachspielens „alter Kamellen“ gefragt wird, antwortet er stets im Namen seiner Kollegen: „ Wir sind mit dieser Musik aufgewachsen, dadurch sind und bleiben wir authentisch. Hauptsächlich aber bereitet sie uns nach wie vor den größten Spaß, nur das zählt.. Wir vergessen dabei allerdings nicht, dass wir unseren Erfolg unseren treuen Fans zu verdanken haben. ´Die „Rolling Stones“ spielen schließlich auch immer noch´ wirst du von mir also nicht hören.“

CD Veröffentlichung mit eigenen Songs

Spaß zu haben zieht sich wie der berühmte rote Faden durch die gesamte Laufbahn der „Black Beats“. Ihr Pflichtprogramm, neben Stars wie „Suzi Quattro“, „Searchers“ oder den „Rubettes“ zu glänzen, haben sie erfolgreich hinter sich gebracht. Weshalb also nicht, wie ihre Vorbilder ja auch, einmal ein eigenes Kapitel aufschlagen, eigene Kompositionen auf die Rille zu bannen.
Es ist zwar eher ungewöhnlich, dass eine Oldie Cover Band sich an die Veröffentlichung eigenen Materials traut, die „4 Friends“ (Titel der CD) haben diesen Schritt gewagt. Beim ersten Hören dieser aktuellen CD fällt sofort auf, dass die Jungs die Freude am Musizieren, die sie seit 40 Jahren auf der Bühne verbreiten, in ihren Proberaum mitgenommen haben, wo die Aufnahmen auch eingespielt werden.
„Um ein möglichst breites Klangspektrum und eine große Stilvielfalt abzudecken, haben wir solch tolle Musiker wie George Meier und Peter Henken von den Hagen Allstars, Charly Hahn (Gitarren), Anke Behrens (Akkordeon) und Helmut Gawron (Dobro) vom Blancke Trio, Dieter Eicke (Gitarre) und Hilke Sens (Percussion) zu unserer Studiosession eingeladen. Das hat uns nicht nur hilfreiche Erfahrung beschert, das hat auch richtig Laune gemacht, “ schwärmt Gitarrist Gerd Schönfeld.
Innovativ an dieser Zusammenstellung von Covertiteln und eigenem Material ist, dass jedes Bandmitglied mit mindestens einem Titel als Komponist, Texter und Sänger vertreten ist. Zusätzlich schrieb Musikergattin Britta Schönfeld vier englische Texte.
Es ist bemerkenswert wie die Band versucht, mit ihrer Liebe zur Musik und der Begeisterung für das „Eigene“ diesen Bogen zu spannen. Die Kompilation ist jedenfalls geschickt gesteckt, und enthält, neben sieben eher unbekannten Lieblingstiteln der Band, elf eigene Werke. Langweile will bei diesem bunten Strauß aus Up-Tempo-Rocknummern und einfühlsamen Balladen irgendwie nie so richtig aufkommen, frei nach dem Motto: Wer schon so lange im Geschäft ist braucht jetzt auch nicht nachzulassen. Wohl wahr, immerhin hat ihnen vier Jahrzehnte Zusammenhalt unter ein und demselben Namen noch niemand in der lokalen Szene weder vor noch nachgemacht.


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