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Wolfsmond, Prophet-Poeten im eigenen Land?

„Die Fans der wohl eigenständigsten und charismatischsten deutschen Rockband „Wolfsmond“ können sich freuen. Endlich gibt es ihre Lieblinge jetzt auch auf CD.
Was bereits wenige Jahre nach der Trennung 1982 im Gespräch war, hat die „Bear Family Records“ Germany jetzt realisiert. Nach fünf erfolgreichen „schwarzen“ Alben ist seit vierzehn Tagen die Sampler CD „Das Beste von Wolfsmond“ mit den beliebtesten Titeln überall im Handel erhältlich.“ So stand es im Juli 1999 in den norddeutschen Zeitungen und bundesweit in den Fachmagazinen.

Als Anfang der 70er Jahre das Hamburger Flaggschiff der deutschen Rockszene „Rattles“ nach ihrer Weltumseglung mit „The Witch“ Leck schlägt, haben die Gründer Achim Reichel und Herbert Hildebrandt das sinkende Schiff bereits lange verlassen. ´72 gibt ´s zwar noch eine Europa-Tournee weil 1 Millionen verkaufte „Hexen“ nicht so einfach ignoriert werden können, aber die Gründungsmitglieder arbeiten längst an anderen Projekten (Hildebrandt schreibt u.a. „Mademoiselle Ninette“), Achim Reichel debüttiert als „bärbeißiger Shantyist“. Das Remake dieses Bestsellers mit Edna Bejerano, Frank Mille, Kurt „Zappo“ Lüngen und Herbert Bornhold bringt der Band zwar noch ein paar Gigs, aber schon da wird durch das ständige Wechseln der Besetzung deutlich, niemand glaubt wirklich an ein erfolgreiches Comeback. 1973 heißt die Besetzung: Linda Fields (Gesang), Frank Mille (Gitarre, Produktion), George Meier (Gitarre, Gesang), Zappo Lüngen (Bass), Jochen Peters alias Lu Lafayette (Tasten, Gesang) und Wolfgang „Al“ Brock am Schlagzeug. Der Longplayer „Gin Mill“, vorwiegend mit Kompositionen von Peters und Mille und gut anzuhören, steht sich auf Grabbeltischen Dellen in die Rillen. Aber berufene Musiker geben nun mal nicht so schnell auf, schon gar nicht wenn das abgesteckte Ziel „irgendwann mal gut davon leben wollen“ heißt. Die Sechs arbeiten an Konzepten und konzipieren Arbeiten, komponieren, bis es sich für den Drummer auskomponiert hat, und er sich entschließt, in Berlin zu studieren. Mehrere Trommler werden getestet, um die Lücke zu schließen. An G.B. Miller (Bremerhaven, wie Meier auch), der als Einziger dreimal vorspielen muss, hält man letztlich fest. Das Touren auf alten Lorbeeren erweist sich aber als äußerst mühselig. Lukrative Live-Konzerte sind nur noch großen Namen vorbehalten.

WOLFSMOND in Meier's Garten

Da kommt den, von der aktiven Musikwelt so gut wie abgeschnittenen Insulanern eine Anfrage der amerikanischen Plattenfirma RCA an die Tochterfirma in Hamburg wie ein großer, in Sichtweite vorbeifahrender Dampfer zu Hilfe. In den USA steht auf Platz 25 ein potentieller Hit mit deutlichem Pfeil nach oben, Shirley und „Shame, shame,shame“. Die Anfrage lautet: „Gibt es bei der RCA in HH eine farbige Sängerin, die diesen Titel in der Bundesrepublik Deutschland als Schnellschuss abfeuern könnte!“ Gibt es, eben Linda Fields, aber nicht mit den Rattles. Eigens dafür wird die Band in „Linda & the Funky Boys“ umgetauft. Das Ding rauscht in die bundesweiten Charts, 350.000 Exemplare (inzwischen weltweit 5 Mio.) werden innerhalb von nur drei Monaten verkauft weil einfach, aber auch einfach alle potentiellen Käufer völlig irritiert sind. Die gecoverte Version klingt absolut identisch mit dem Original, und das läuft ja schon auf allen Sendern, vorneweg bei AFN. Das könnte noch mal einen richtigen Konzert – Boom für die Sechs geben. Es kommt aber anders. Um Konzertsäle oder große Open Airs zu bedienen ist der Name mit nur einem Hit nicht ausreichend. Aber Discotheken Besitzer von überall her melden sich. Was tun? Chef Frank Mille sucht nach einer Lösung, bietet Linda NUR im Doppelpack mit den Rattles zu einem supergünstigen Sparpreis an. Vier alte Gassenhauer aus dem Rattles Repertoire, dann ändert sich das Licht, und Linda wirbelt auf die Bühne. Aus den Rattles werden, ohne dass auch nur ein einziger Musiker die Möglichkeit zum Umschminken oder Umziehen hat, die „Funky Boys“. Das kann nicht lange gut gehen, aber laufen wird es auch nicht; denn die Rattles sind nun mal out, und nur ihre Sängerin ist in. Das führt zu den Konsequenzen, dass Lu, der in seinen eigenen vier Wänden schon länger an eigenem deutschen Songmaterial arbeitet, „Wolfsmond“ gründet, alte Bremer Kollegen für seine Idee begeistern kann. Nur George Meier bleibt ihm erhalten. Linda geht mit Frank und George B. auf Halbplayback Tourneen durch deutsche Lande.

1977 ist es dann endlich soweit. Das Erstlingswerk „Lu Lafayette´s Wolfsmond“ ist fertig (siehe: Für Lu war es Rock n Roll). Darauf verewigt die Musiker: Lu, Tasten/Gesang, George Meier  an der elektrischen Gitarre/Gesang, Rico Christian (Bremen) an der akustischen Gitarre/Gesang, Joe Heß (Bremen) Bass und Kai Stellmann (Bremen) Schlagzeug. Die Hamburger Plattenfirma „Bellaphon“ bekommt die gradlinigen, erfreulich unkomplizierten Rocktitel als erste zu hören und schlägt sofort zu.
Im Frühjahr 1977 steht das von Frank Mille produzierte Debütalbum „Lude Lafayette´s Wolfsmond“ bereits in den Geschäften. Die Band geht auf Deutschlandtournee und tritt u.a. in der damals so populären TV Sendung „Disco“ von Ilja Richter auf. Lude´s Gesangsstil, seine teilweise poetischen, tiefsinnigen Texte, aber auch der unverkennbare Gitarrenstil George Meiers werden zum Erkennungszeichen dieser norddeutschen Formation.
Ein Jahr später holt Lude George B. in die Band, und das Zweitwerk „Radio Rock n´Roll“ wird produziert, fällt deutlich rockiger aus. Das „Hamburger Abendblatt“ schreibt: „ ...kraftvolle deutschsprachige Rockmusik, die trotz einheimischer Texte nicht dem Schlagergeschäft zugeordnet werden kann!“
Der Herborner Motorradclub bringt zum fünfjährigen Bestehen des Vereins eine „Wolfsmond“ Plakette zu Ehren der Band heraus.
„Wolfsmond“ wird eingeladen, die Musik zu dem Fernsehfilm „Keiner kann was dafür“ unter der Regie der deutschen Bundesfilmpreisträgerin Uschi Reich einzuspielen und selbst in dem, vom ZDF produzierten, Streifen mitzuwirken.

Das dritte Album „Traumzeit“ wird 1979 mit einer fast kompletten Neubesetzung produziert.
Nur George Meier (inzwischen nach Hagen bei Bremerhaven umgezogen) spielt nach wie vor seine brillanten Soli für die Band im Studio ein.

„Prima melodischer Rock, angenehme Grundstimmung, gelungene Texte“, attestiert die Fernsehzeitschrift „Hör Zu“.

Mit der vierten Langspielplatte „Verwandelt“ erweitert die Gruppe 1980 ihre stilistische Bandbreite. Die Musiker fügen dem bisher schnörkellosen Rock interessante Country- und Folkelemente hinzu, und die Fans zeigen durchweg positive Resonanzen. Die Phono Akademie zeichnet dieses Album 1980 mit dem deutschen Musikpreis aus.

WOLFSMOND mit Joe und Gerdi

Im Jahr 1981 nimmt sich ein ganz großer der deutschen Musikszene der Band an.
Edo Zanki produziert das fünfte Werk „Fühl dich frei“ zusammen mit Lude in seinem Studio im verträumten Karlsdorf im Badischen. Die erste Singleauskopplung „Für mich ist es Rock n´ Roll“, komponiert und getextet von den Bremerhavenern George Meier und George B. Miller avanciert zum Radio Hit, wird zur meist verkauften Single der Deutschrocker, und wieder geht die Combo auf große Deutschlandtournee und gewinnt im gesamten Bundesgebiet begeisterte Fans hinzu.
Trotzdem, es kommt zur Trennung, und Ende 1982 ist das Kapitel „Wolfsmond“, bis auf zwei Solo Singles von Lude, erst einmal beendet.
Der letzte Versuch, noch einmal mit George Meier im sechssaitigen Schlepptau, das Album „Im Tempel des Adlers“, versickert im Sand der Eieruhr völlig unterrepräsentierter großer deutscher Musiker und Songschreiber.   
Lude verstirbt in der Nacht vom 10.04. auf den 11.04.03 (siehe: Für Lu war es R.+R.)

Der CD Sampler „Das Beste von Wolfsmond“, mit Originalaufnahmen über „Bear Family Records“, Hambergen, zu beziehen, beinhaltet die beliebtesten Titel der Band, wie z.B. „Wie der Wind so frei“, „Wellenreiter“, „Das hat Spaß gemacht“, „Engel“ und viele, viele mehr. Der Sound ist, dank des neuen Masterings, noch kraftvoller und kompakter geworden.
Ein Stück Musikgeschichte der deutschen Rockszene lebt durch diese Veröffentlichung wieder auf.
Die CD, mit 20 Abgehern und Balladen, gehört in die Sammlung jedes Fans, aber auch derer, die es noch werden wollen.


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