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Charly B. Seifert - der Mann für alle Fälle

Wenn mitten im Konzert das Bühnenlicht ausfällt, wenn der Gitarrenverstärker nur noch mit halber Kraft läuft, wenn das Tonbandgerät von anno dazumal rückwärts statt vorwärts spult, wenn für eine Gala ein Gitarrist oder Bassist ausgefallen ist, gibt es einen Mann, der helfen kann, Charly B. Seifert – der Mann für alle Fälle.

Dabei hat Charly beileibe keinen Reparaturservice, aber er ist informativ und gibt gern und bereitwillig Auskunft, in seiner ureigenen freundlichen Art. Mit etwas Pech allerdings bekommt man aber auch einen ganzen Vortrag geliefert. Wenn also bei jemandem die Radioantenne am Auto abgebrochen ist und er nichts ahnend Charly davon erzählt, so weiß er anschließend mit Sicherheit mehr über elektromagnetische Wellen als ein Rundfunkmoderator. Dabei fing alles ganz anders an.

1940, fünf Jahre nach seiner Geburt, bekommt Charly von seinem Vater eine Mundharmonika auf dem kleinen „Jahrmarkt“ vor der Pauluskirche in der Hafenstraße geschenkt, und nur eine Stunde später kann er darauf bereits „Hänschen Klein“ perfekt spielen. Egal, wie also sein späterer Lebensweg verläuft, Musik wird eine wesentliche Rolle darin spielen. Schon zwei Jahre später bringt sein Bruder ihm bei, auf dem Knopfakkordeon zu musizieren. Zwar lassen die Noten im Musikunterricht zwischen mangelhaft und ungenügend zu wünschen übrig, „aber das lag daran, dass mein Musiklehrer einen Bluterguß in der Membran bekam wenn ich im Chor mitsang“, witzelt Charly heute.

Wenig später bekommt er die ersten Griffe auf der Gitarre von Horst Lösking, dem Bremerhavener „Balalaika Jim“ gezeigt, und das motiviert ihn, 1951 im GYA (German Youth Association) Club Gitarrenunterricht bei Helmut Ewers zu nehmen.

Die SCHWARZEN VIER

Wo viele andere Bremerhavener Musiker ihre Karriere beginnen, da startet auch Charly das erste Mal durch. Im Jugendheim Klushof ist er Gründungsmitglied der „Schwarzen Vier“.
Fast zehn Jahre hält diese Tanzcombo zusammen, spielt fast in jeder Lokalität in der Seestadt, die Strom zu vergeben hat und ist überall gern gehört.

Berthold „Charly“ Seifert ist von Anfang an dabei als es bei „Seebeck am Markt“ losgeht, und alle spielen auf seiner gerade erstandenen roten Framus E-Gitarre weil die anderen Musiker nur akustische Instrumente ihr eigen nennen dürfen.

„Mit dem Erfolg im Rücken hält man es eben länger zusammen aus“, analysiert er diese, für damalige Zeiten relativ lange, musikalische Verbindung mit der „Schwarzen Vier“.

Die PLAYBOYS

Wesentlich kürzer dagegen spielt er am Bass zusammen mit Gerd Maatz (Schlagzeug), Stefan Franz (Gitarre) und Peter Kurkowski (Gitarre und Gesang) unter dem vielversprechenden Namen „The Playboys". Woran solch eine Trennung liegt, Charly vermag es nicht zu sagen. Eines ist sicher, er ist als Musiker gefragt und muss nicht lange auf die nächste Gelegenheit, in eine Combo „einsteigen“ zu können, warten.

Mit dem Langener Hans-Dieter Franke und den Bremerhavenern Fulvio Ziglioli und Frank „Dino“ Rösler geht es als „Snobs“ (später „Cracker Jack“) auf die Reise durch die norddeutsche Tiefebene. Fünf Jahre spielt Charly in dieser Besetzung, als er 1971 wegen einer schweren Krankheit mit der Musik aufhören muss. Nach seiner Krankheit arbeitet er bei den Bremer Klöckner Werken im Schichtdienst.

Aber diese Geschichte würde nicht geschrieben wäre jetzt schon alles vorbei. Wie schon bei Emil Harder beginnt auch seine zweite musikalische Karriere in Manni Müllers Tanzbar, dem legendären „Sanssouci“. Und nur wer wirklich musikalisch ist hält hier den Anforderungen stand; denn es gibt kein feststehendes Programm, impulsiv werden die Gäste vom singenden Chef auf die Tanzfläche gelockt, und das ohne große vorherige Ansage oder Bekanntgabe der Tonart oder der Titel.

In seinem kleinen Heimstudio in Leherheide, das Charly 1980 in Eigenregie selbst erbaut, tüftelt er tagsüber an dem Bau eines Basses aus Plexiglas, den er später als Vorlage für eine Gitarre nimmt. „Die Form habe ich mir selbst ausgedacht. Ich habe nur hochwertiges Material verwendet, und ohne meine Kenntnisse als Elektrotechniker hätte ich die Tonabnehmer, das Regelnetzwerk und die Schalter wohl nicht einbauen können“, erzählt der Leherheider.
Herausgekommen ist nach einem halben Jahr harter und intensiver Arbeit eine E-Gitarre ganz aus Glas mit glitzernden Spiegeln und vielen technischen Raffinessen. Getestet wird sie unter anderem von dem Lead Gitarristen der Pepe Lienhard Band, Udo Jürgens Begleitband, bei einem Konzert in der hiesigen Stadthalle.

Nun wissen auch die Verantwortlichen in der Stadthalle, dass es einen „Charly“ gibt, und prompt wird er zu der „Wetten daß...“ TV Live-Sendung als Playback Musiker für die eingehaltene Wette von Hollywood Star Dolph Lundgren eingeladen.

Charly und Daniela Harder

Endlich hat er auch wieder seine eigene Band mit dem aufschlussreichen Namen „Memory“ und Emil Harder als Frontmann. Damit nicht genug, auch der Shanty Chor Wremen möchte auf ihn als Gitarristen nicht mehr verzichten.

Was sagt seine Familie, seine drei Söhne und vor allem seine Ehefrau Traute dazu, dass jedes Wochenende gemuckt wird, er immer wieder unterwegs ist innerhalb und außerhalb der Seestadt, und zu seinem Hobby mit dem Tonstudio, das auch seine Zeit beansprucht?
„Ohne das Verständnis meiner Frau Traute, ihrer Liebe und Geduld, ohne das ausgesprochen gute Verhältnis zu meinen Söhnen hätte ich gar nicht die Kraft, das alles durchzuziehen und schon viel früher hingeschmissen“, sagt der heute 70jährige Musiker aus Leidenschaft.

Jetzt hat er zwar nicht „hingeschmissen“, aber er hat sich aus dem Muckerleben zurückgezogen, ist für die Bühne so gut wie nicht mehr zu haben. Das aber heißt nicht, dass er sich von gänzlich von der Musik distanziert hat. In seinem Studio arbeitet er fast täglich, und dem Maritim-Chor „Ebbe und Flut“, zu dem er in der Zwischenzeit wechselte, hält er auch weiterhin die Treue.


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