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Micky Kaiser - "You're a soulbrother..."

Micky im "Chico's"

"..., you got what it takes“! Ein begeistertes Kompliment, dieser Ausruf eines farbigen Besatzungsmitglieds der “United States” im vollbesetzten „Chico´s Place“, adressiert an den Sänger der Soulbeats Mitte 1966.

Es sagt eigentlich schon alles, was man braucht, um „I feel good“ des großen James Brown so rüberzubringen, dass eingefleischte Fans aus Amiland es diesem Frontmann unbesehen abkaufen.
Micky Kaiser, Sänger, Bassist und Komponist, im Januar 1946 in Wesermünde (heutiges Bremerhaven) geboren, zählte zu den charismatischen und schillernden Szene-Figuren der 70er und 80er Jahre in der Seestadt.
Wie bei diversen Bremerhavener Musikern, beginnen auch seine ersten musikalischen Gehversuche in einem Freizeitheim und nicht im Schulchor oder beim Geigenlehrer. Die Mitmusiker allerdings kommen häufig aus den eigenen Klassen. Man lernte sich ohne Instrument kennen, hat große Rosinen im Kopf, wird Mitglied in einem Jugendtreff und erhält dort leihweise das eine oder andere Gerät, um sich anders artikulieren zu können als der Mann aus der Sparkasse gegenüber. Micky Kaiser, mehr oder weniger eifriger Gymnasiast der Körnerschule, hat sein kostbares Instrument immer bei sich, von dem später WDR - Jürgen von der Lippe bei „So isses“ sagt: „Eine herrlich rauchige Stimme, von der man bestimmt noch viel hören wird…“
So liegt es wohl nahe, dass er sich in seiner ersten Band, den „Raggamuffins“, gesanglich dem Blues annimmt, auch beeinflusst durch seine bestechend lückenlose LP-Sammlung von John Lee Hooker über Leadbelly hin zu Muddy Waters, und vor allem seinem absoluten Liebling und Vorbild, Ray Charles. Er bringt sich das Mundharmonikaspiel bei, legt sich einen Bass zu, und ist somit den meisten Kollegen um ein, wenn nicht sogar zwei Instrumente voraus.
Mick sieht blendend aus, der Frauentyp schlechthin. Er weiß das, lässt das „y“ in seinem Vornamen weg, und die anderen harten Kritiker überzeugt er mit Scotch -Timbre und einer souveränen Bühnenpräsenz.
1966 bringt ihn sein bester Freund Wolfgang „Ami“ Rentzel mit zu einer Probe der Soulbeats, und von dem Tag an ändert sich schlagartig das Programm dieser rock und rollenden Chuck Berry Cover Combo. Blues und Soul, Ray Charles und Otis Redding Titel bereichern das Repertoire allerdings um eine Richtung, die dem Beatpublikum noch völlig abgeht. Die Band ist nicht mehr gefragt, löst sich auf. Mick macht sein Abitur, die Stadt wird ihm zu klein, und er zieht nach Hamburg in eine Musikkommune, um in der Stadt an der Elbe sein Zahnarztstudium zu beginnen.

Aber so etwas ist leichter geplant als getan, hängt das Herz so sehr an der Musik, dass sich Beides zusammen nur schlecht vereinbaren lässt, will er das Eine wenigstens richtig machen. Zusammen mit Stefan Remmler und Gerd Krawinkel, die sich ebenfalls oft in Hamburg, 150 m vom Fischmarkt entfernt, in der Elbestraße 13, aufhalten, hat er noch ein paar Jahre Spaß bei der wohl erfolgreichsten Band der Unterweserregion „Just Us“, bevor er sich im Trio, zusammen mit George B. Miller und „Kralle“, als „Cravinkel“ auf die Bühne wagt. Mick sagt in einem Presseinterview, als er nach den Lieblingsmusikern oder Vorbildern der Drei gefragt wird: „ Wir halten die Beatles für die beste Gruppe der Welt, Jack Bruce (Cream) halte ich für den Größten – sein Bassspiel ist das Ei des Kolumbus. Kralle bevorzugt Eric Clapton, George B.´s Mann ist Mitch Mitchell (Hendrix).“
Aus der Kombination dieser Namen mag sich nun jeder zusammenreimen, mit welchen stilistischen Mitteln da versucht wurde, ein Pop – orientiertes Publikum zu unterhalten. Mit zusätzlichen Eigenkompositionen, der ehrlichsten Art, Musik zu machen, wird auch der Trend deutlich. Außergewöhnlich arrangierte Titel spannen einen weiter Bogen zwischen Rock und Jazz. Man spielt in größeren Hallen zusammen mit größeren Namen vor größerem Publikum. Bleibt der ganz große Durchbruch allerdings im Bandbus stecken und dann die nötigen einheimischen Zuhörer weg, die eine Band populär machen könnten, wechselt man besser das Revier, um in Ruhe kreativ sein zu können, um sich besser aufeinander einzustellen, schneller zueinander zu finden.
George B. Miller muss zur Luftwaffe in Oldenburg, Mick und Kralle greifen sich Achim Brierley, den Ex-„Competition“ Drummer ab, und zusammen mit George Meier geht es in den Landkreis bei Bremervörde, in das gemietete Bauernhaus in Volkmarst.

Das Quartett verschreibt sich zunächst einem Blues angehauchten, leicht verspielten Folkrock, unterschreibt 1970 als eine der ersten deutschen Rockbands einen außerordentlich gut dotierten Vertrag mit Philips, dem Label des Musikkonzerns Phonogram. Doch das „Heuhafen“ – Album geht nur mäßig über die Ladentische. Mick wird nur noch „Chef“ genannt, von seinen Mitstreitern einstimmig zum Herrn über die knappen Einnahmen gewählt, die zum Ausgeben allerdings hinten und vorne nicht reichen.
Jetzt zu sagen, die Sterne standen nicht günstig, wäre zu einfach als Erklärung für den Misserfolg; denn auch das zweite Album „Garden of Loneliness“ kommt beim Verkauf nicht über die Erstanpressung hinweg. Da läuft irgendetwas nicht rund. Zwei Jahre später brennt das Haus mit allem Hab und Gut ab, während „Cravinkel“ auf einem Gig in Schleswig Holstein unterwegs ist. Und das stecken sie nicht so einfach weg. Die Vier lassen sich völlig desillusioniert vom Wind der Unsicherheit vor sich hertreiben, und der Weg zurück in die Heimatstadt ist das Ziel.

George, Micky, George - so oder so

Ein absolutes Highlight in seinem Leben ist dann 1973 die Geburt seiner Tochter Esther. Mick zieht erneut um, diesmal nach Oldenburg, um seinem Pädagogik-Studium in Germanistik, Deutsch und Englisch näher sein zu können. Da er dort aber keinen Anschluss an eine Band findet, ein viel versprechendes Angebot erhält, sich in Bremerhaven auf der Szenemeile selbständig machen zu können, kommt er wieder an die Weser und übernimmt 1976 die Kultkneipe „Wally“.
Es scheint bergauf zu gehen, wenn auch mit Schützenhilfe durch seinen „alten Herrn“. Inzwischen ist er stolzer Eigentümer einer „LaVerda“. Mit seiner neuen Eroberung, der wesentlich jüngeren Anja Vogel, bezieht der Filou d´ Amour direkt über dem Laden eine großräumige Wohnung, und bringt sich sofort wieder als Sänger in´s Gespräch durch Band - Projekte wie „Grand Hand“, „Easy Flight“ mit George und George B. und Lu Lafayette an den Tasten, Zappo Lüngen am Bass.
Der erste Plattenvertrag mit „Rotesand“ veranlasst ihn, in seine Wohnung ein Studio zu bauen, und das Häuschen seiner verstorbenen Großmutter am nördlichen Stadtrand zu erwerben. Wenngleich die Debütsingle „Tu Was“ auch ungehört den Bach runtergeht, für „Meier  Miller Kaiser“ kommt da ein Angebot in Form eines Dreijahresexklusivvertrages der Phonogram gesegelt, das niemand ablehnen kann. Und wieder wird getourt, wieder ist der Bremerhavener seiner Familie unendlich fern, und wieder stellt sich nach zwei Langspielplatten nicht der Erfolg ein, auf den er und alle Beteiligten gehofft haben. Es ist an der Zeit, etwas ganz anderes zu starten.
1987 trennen sich Mick und „Meier  Miller Kaiser“ in gutem Einvernehmen. Ein Jahr später wird aus seiner letzten Erwerbsquelle, dem „Wally“, ein Supermarkt. Die Trennung von seiner Gefährtin Anja macht nicht gerade alles erquicklicher. Wieder geht es zurück nach Oldenburg, wo der inzwischen 54jährige eine ABM als Jugend- und Drogenberater bekommt.
In der größten Garnisonsstadt der Republik lernt er auch Helga Siemer kennen. Die meisten Beziehungen zur alten Bremerhavener Szene hat er bis zu dem Zeitpunkt schon abgebrochen.
Nur zu Freund und Drummer George B. hält er nach wie vor auch Sichtkontakt, selbst als seine Partnerin ein lukratives Angebot im Kreis Höxter erhält, und er zum letzten Mal in seinem Leben 1996 umzieht, nach Billerbeck.
Am 09.02.1997 erliegt er einer nicht zu heilenden Krankheit und wechselt für immer in das Walhalla aller großen Rock n Roller, wo er sich seither, sagt J. Laschinsky (Blax, Ex-Happy Times, Bremen), von den Walküren mit Met und Muße bedienen lässt.


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