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Aktuelles

Soulbeats

THE ORIGINAL SOULBEATS

1966, das dritte Jahr mit meiner eigenen und ersten Band, „The Soulbeats“.
Wir hatten riesige Fortschritte gemacht, nannten einen Manager unser Eigen, der uns das notwendige Equipment zur Verfügung stellte, eine angesagte Rock n Roll Truppe mit dem Namen "The Rhythm Brothers" als Top Act hatte, und der sich Klaus Lukas nannte. Ich glaube, so heißt er heute noch.
Und mit ihm stiegen wir unaufhaltsam Sprosse für Sprosse.
Die Angebote mehrten sich. Ein klarer Beweis für unsere Popularität.

Denke ich heute zweimal, dann komm ich allerdings auch recht schnell auf den Gedanken, dass unsere verschwindend kleinen Gagen diesen Beweis etwas schattierten.
Es wurde fair geteilt, 50/50. Die Hälfte das „Management“, den Rest wir.
Das reichte dann für eine Packung Zigaretten und zwei Cola. Zusätzlich gab es meistens ein Essen für Musiker und Manager.
Der wiederum hörte es nicht gern, wenn wir ihn so nannten. Er gestand es nie, aber ich glaube, er fürchtete das Finanzamt mehr als seine unmusikalische Schwiegermutter oder die schwule Dogge seines bissigen Nachbarn.
Da wir unsere Hälfte immer durch Vier teilten, mussten wir diese Ängste nicht haben.
Noch nicht.
Das Essen war immer reichlich und gut, bis auf eine Ausnahme, die noch heute in meinem Hals für würgende Verwirrung sorgt, denke ich gerade mal wieder an´s Abnehmen.

Irgendwann spielten wir in Langenfelde bei Bokel, finsterste Provinz. Aber auch da gab es Radios, auch da wollten die Leute Rock n Roll.
Der Laden hieß „Wackernah´s Tanzdiele“, hatte aus Sicht eines Cowboystiefels die Größe einer Streichholzschachtel, mit einem Wirt, der als Bowlingkugel das Bild abrundete.
Einer, der seinen Saal schon allein bis auf den vorletzten Platz füllte.
Einer von der Sorte, bei denen man sofort merkt, sie haben den Spaß nicht nur nicht erfunden, sie finden ihn einfach überholt.
Er knallte uns die Teller auf die Plastikfolie des, von einem ganz sicher paranoiden Holzwurm geschwängerten Jaffatisches, und wünschte uns guten Appetit.
Der Kartoffelsalat kam direkt aus dem Gefrierfach. Cool.
Blind waren wir ja nun nicht. Wären wir es gewesen, das Klirren, wenn er mit den Zähnen in Berührung kam, hätte uns garantiert sehend gemacht. Die einzelnen Kartoffelscheiben zu separieren, ohne die Kristalle der Mayonnaise zu gefährden, war eine Kunst für sich und nahm ihre eigene Zeit in Anspruch.
Das förderte wiederum das gesellige Beisammensein.
Wir hatten gelernt, im Negativen das Positive zu entdecken.
Die Currywurst allerdings war etwas „ausgefallener“. Man musste warten bis sie still lag, zielen, dann geschickt und blitzartig zustechen. Dann spritzte es nach allen Seiten, und man konnte sie hochheben und aus der Hülle glitschen lassen, wenn man das wollte.
Unser Gitarrist, der jederzeit zu Späßen aufgelegt war, wurde von unserem Manager, der sich die Wurst immer für seinen Hund in einer mitgebrachten Plastiktüte mitnahm, gerade noch mit einem finsteren Blick gebremst.
Wir aßen alles, was nicht rechtzeitig vom Tisch die flotte Gabel machen konnte.
Wir wollten ja wieder hier spielen, so lange, bis wir es uns leisten konnten, Absagen zu erteilen.
Wenn man sich irgendwann aussuchen kann, wo man spielen will, dann hat man es geschafft!
Die Worte unseres Managers hatten sich in meinem Gehörgang zur Ruhe gesetzt.
Eine Woche später starb sein Hund.

 

veröffentlicht im LAUFPASS


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