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Freddy Q-Projekt F

Das Jahr 1967, ich wechselte von meiner eigenen Band „The Soulbeats“ zu den ungekrönten Helden der Wesermarsch, „Just Us“. Die Band um Stephan Remmler war für mich damals schon absolute Bundesliga. Mein Sinn stand nicht nach mehr Geld, aber wer populärer ist spielt eben öfter und hat somit mehr Spaß. Darum ging es mir in erster Linie in der Anfangszeit.

1970 zog ich die Luftwaffenuniform über und unsere Wege trennten sich, Konzerte betreffend. Der Kontakt blieb bestehen, in erster Linie zu Stephan.
Nachdem er weit über die Grenzen der Republik hinaus berühmt wurde, selber zu den „Großen“ mit „Knete“ zählte, sein Domizil in die Schweiz verlegt hatte, rief er mich an wenn er wusste, dass er nach Bremerhaven kommen wollte.
„Lass uns irgendwo ein Bier trinken, aber such dir eine Kneipe aus, die kurz vor der Pleite steht!“ Er mochte den Rummel um seine Person nicht. Dass wir uns nun im „Schampus“ von Anja Kropp trafen, soll den Beliebtheitsgrad ihrer damaligen „Schänke“ nicht schmälern, aber ich wusste, dass dort nachmittags bis dato nicht ein einziger Biertropfen den Hahn verlassen hatte.
Unglücklicherweise hatte die Chefin vergessen, über Nacht die Kühlung anzustellen. Handwarmes Bier mag gesund in den Magen fallen, Stephan stieg es in den Kopf. Mir ging es ähnlich mit meinen vier Mescal ohne Verdünnung. Ich wollte unbedingt an den Wurm auf dem Boden der Flasche.
„Sag einmal“, begann er irgendwann mit langsam rollender Zunge, dass ich ihm perfekt folgen konnte, „hättest du Lust auf meiner neuen Produktion zu trommeln?“ Ich war zu cool, um ihn falsch zu verstehen, aber schon zu weit weg, um den Sinn der Frage zu begreifen.
Immerhin, ich hatte unserem Gespräch entnommen, dass Stephan inzwischen nur noch mit der Creme der bundesdeutschen Musikergarde in´s Studio ging.
„Ich denke, dass das eine fiese Frage zu einem unpassenden Moment ist, aber, wenn du es so meinst, dann ruf mich morgen früh um 11 Uhr an und sag´s mir noch mal.“

Am nächsten Morgen rief er an, wiederholte, und wenige Monate später holte ein Taxi aus Weilerswist mich und mein Schlagzeug in das alte Can-Studio, in dem René Tinner Herr über Knöpfe und Regler war.
Ich hatte die Hose schon gestrichen voll, da waren wir noch nicht einmal auf der Autobahn.
Völlig unbegründet. Ich wurde von den „Großen“ mit offenen Armen empfangen, warm und herzlich, als hätte ich seit Ewigkeiten zu ihnen gehört. Natürlich war das professionell, wir wollten schließlich zusammen ein Album einspielen. Aber ich merkte deutlich, da war viel mehr. Das machte jede Sekunde zu einem unvergesslichen Spaß Erlebnis.
David “T-Bone“ Fisher, ein fast zwei Meter großer, tief dunkelhäutiger Bär aus den USA, der für die Percussion eingeflogen war, setzte sich sofort nach dem Frühstück in seine dunkle Ecke und pennte weg. Percussion zählt ja zu den I-Tüpfelchen, und kommt erst ganz zum Schluss dran.
Pünktlich um 12:45 Uhr weckte seine Frau ihn per Telefon aus der Heimat. Das Essen würde in wenigen Minuten in der studioeigenen Küche auf dem Tisch stehen.
Ich war beeindruckt.
Noch mehr allerdings von der Tatsache, dass Stephan acht Tage für die Produktion angesetzt hatte. Und auf die Minute genau war sie im Kasten.
Eine starke Gemeinschaft, der ich nicht nur für diese acht Tage angehörte.
Ich hab ja meine Erinnerungen.

 

veröffentlicht im LAUFPASS


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