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Lu LaFayette - Ich steh auf dem Bahnhof vor'm Zeitschriftenstand

Lu LaFayette im Proberaum in Seevetal (Foto: George B. Miller)

Ich steh auf dem Bahnhof vor ´m Zeitschriftenstand
Und halte den Revolver versteckt in meiner Hand
Auf die einsame Menge werfe ich einen Blick
Alle hier scheinen mir auf der Suche nach dem kleinen Glück

Vier Zeilen aus dem Lied "Beinah ein Hauch von Einsamkeit" des Bremer Rockpoeten Lu LaFayette (Jochen Peters), der in der Nacht vom 10. auf den 11. April 2003 in Achim bei Bremen verstarb.

Jede Zeile ein Viertel seines Lebens, das der talentierte Musiker zuletzt nur noch vereinsamt in seinen eigenen, oder den "fremden" vier Wänden seiner Mutter verbrachte.

Wie ein roter Faden ziehen sich Schicksale anderer große Künstler wie Jim Morrison oder Beach Boy Brian Wilson durch seine musikalische Laufbahn. Meist introvertiert, verunsichert und einsam in der Menge, fühlte Lu LaFayette sich nur auf Bühnen und in Studios zuhause, wo er all seine Kraft und Liebe in seine Lieder packte und seine Seele für jeden offenbarte, der bereit war, ein paar Schritte mit ihm auf seinem Weg zu gehen, auf dem ihm ein paar wenige Male das "kleine Glück" begegnete.

Dazu gehört sicherlich, dass 1977 das erste Album (Lu LaFayette' s Wolfsmond) von Frank Mille produziert wird und sofort eine Plattenfirma findet. Eine Scheibe über Liebe, Reisen, Freiheit, die alten Rock-Archetypen des Fremden und des Einsamen (Wolfs).

Das Fernsehen entdeckt Wolfsmond, Ilja Richter lädt ein zur Disco mit "Das hat Spaß gemacht", natürlich dem "kommerziellsten" Mitsinger auf der LP. Aber hört auch jemand die Tiefen der Sehnsüchte des Künstlers außer den Musikern in seiner eigenen Band und den Freunden, die glauben, ihn zu kennen?
Vielleicht die deutsche Bundesfilmpreisträgerin Uschi Reich, die Wolfsmond einlädt, in ihrem zweiten Spielfilm "Keiner kann was dafür", einer Geschichte über das Problem der Jugendarbeitslosigkeit, mitzuwirken und die Musik zu liefern. Der Streifen bekommt aber nicht die "ausgezeichnete" Bewertung wie das Erstlingswerk und wird nur zweimal im ZDF gesendet.

Der erhoffte, durchschlagende Erfolg bleibt also aus, nicht aber ein zweiter Vertrag. Inzwischen sitzt der Bremerhavener Drummer George B. Miller am Schlagzeug, der, wie die anderen Mitglieder auch, aus der gemeinsamen Rattles Besetzung kommt. "Radio Rock 'n Roll" fällt spürbar rockiger aus als das Debütalbum, und wie schon auf dem Vorgänger steuert der gebürtige Bremerhavener Herzblutmusiker George Meier seine unvergleichlichen Gitarreneinwürfe und Soli bei. Es ist dann auch George, der bis Ende 1982 als einziges Mitglied der Band dabei bleibt. Beide Individualisten ergänzen sich hervorragend, der eine fühlt was der andere denkt, Ton für Ton, Zeile für Zeile, Beat für Beat.
Die folgenden drei Alben werden in immer wechselnden Besetzungen eingespielt, und es wird immer deutlicher, dass Wolfsmond eigentlich nur zwei Musiker nötig hat, Lu und George.

Diese Freundschaft überdauert auch Lu' s Soloscheiben "Auf der Reise" und "Ich vermiss dich", die er mit Studiomusikern aufnimmt, und die sich wochenlang unter den Top 20 der deutschen Radiocharts tummeln. Das war vorher nur der "Meier Miller"-Nummer "Für mich ist es Rock n' Roll" im typischen Wolfsmond-Gewand gelungen.
Aber es bleibt bei den Radio Hitlisten der Sender vom hohen Norden bis zum "Weißwurst-

äquator", und das reicht einer Plattenfirma bei durchschnittlichen Verkaufszahlen nicht, um an einem Künstler festzuhalten.

Das Kapitel Wolfsmond ist erst einmal beendet, und Lu geht mit seiner großen Liebe Joey Ann, die er in einer Bremerhavener Musikkneipe kennen und lieben gelernt hat, für sechs Monate nach Hawaii.

Nach seiner Rückkehr ist er wieder allein. Joey Ann, die Lu inzwischen geheiratet hat, ist auf Hawaii geblieben, und er selbst deckt sich mit Arbeit ein. Dreieinhalb Jahre spielt er u.a. als Gitarrist und Keyboarder bei den "Emsland Hillbillies".

Für ein neues Album reicht das Material noch nicht, aber für ein von ihm arrangiertes Solowerk mit Coverversionen von Chuck Berry, den Rolling Stones und anderen Rock n´ Roll Helden stehen mit einem Mal Sponsoren und Gönner seiner Talente vor der Tür. Es sieht so aus als würde alles gut, ja besser werden. Wolfsmond wird reanimiert, leider bleibt es bei vereinzelten Live-Auftritten. 1991 kommt die CD „Auf heißer Spur“ mit Bassist Helmut Hattler (Kraan) auf den Markt, wo sie aber auch bleibt.

Lu wendet sich anderen Ufern zu. Von 1988 bis 1990 agiert er als musikalischer Leiter des Berliner Musicals „Linie 1“ am Bremerhavener Stadttheater. Doch immer wieder zieht es ihn in´ s Studio, um seine schier endlose Liste von Kompositionen auf einen Tonträger zu bekommen, aber das Thema Wolfsmond ist längst abgehakt. Für die vielen Fans der Band ist es zu einer unbegreiflichen Tatsache geworden. Es sind „nur“ noch Projekte, die hoffnungsvoll von Freunden finanziert werden, wie beispielsweise „No oil no dust“, das er mit Musikern der Hardrockband „Victory“ aus Hannover einspielt.

Achim, die Stadt, in der er bei seinen Großeltern lebt, wird ihm zu klein. Bremen ist ihm zu unpersönlich, Bremerhaven scheint gerade recht. In der Seestadt aber hat sich seit den ersten Tagen des Wolfsmond-Kapitels einiges geändert. Ehemalige Freunde sind weggezogen, und um neue Kontakte zu knüpfen braucht man Lebensmut und Freude am Dasein.

Lu geht aber kaum noch vor die Tür, und nur „Bruder“ George Meier hat uneingeschränkten Zutritt zu seiner Eremitenhütte im Hochhaus am Freigebiet. Immer mehr werden die Tage zu Nächten, immer länger werden die Schatten seiner Einsamkeit, immer seltener wird sein geheimnisvolles Lächeln. Für drei Konzerte schaffen es die Hagen Allstars, ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne zu schleifen, aber dann ist endgültig Schluss mit musikalischer Offenbarung.

Ein letztes Mal führt den, mit dem deutschen Musikpreis von der Phono-Akademie ausgezeichneten Rockpoeten der Weg nach Achim, wo er fortan bei seiner Mutter lebt.
Seine einzige Verbindung zur Außenwelt – das Telefon – der „Draht“ zu seinem Freund und musikalischem Mitstreiter Meier in Hagen.

Kurios, aber passend zu der mystischen Welt, die Lude Lafayette um sich aufgezogen hatte, dass der Fernseher, den er einem Freund geschenkt hatte, um 1.45 Uhr in der Nacht seines Todes das letzte Bild empfing.


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