Home  |  Gästebuch  |  Links  |  Kontakt  |  Impressum  
Aktuelles

Just Us - das waren nur wir

JUST US in der Stadthalle Bremen

Sie waren wohl unumstritten die „Beatfürsten“ Mitte der 60er, die für das meiste Aufsehen auf dem Tummelplatz der gehobenen Unterhaltung an der Unterweser sorgten.
Publikumsmagneten ohne Ende, rappelvolle Häuser und schwitzendes Personal hinter´m Tresen und an der Kasse. Ein Jahr Freifahrt auf der Weserfähre für die Mannen um Stefan Remmler (mag sein, dass es sich hier um ein Gerücht handelt, aber dann ein lustiges) weil sie für einen überwältigenden Ansturm auf Nordenham´s „Ammen“-Saal mit ihrem Bremerhavener und Umland-Fankreis sorgten.
Wie war das möglich?

Delf Jacobs Skiffle Band, die „Bottles“, mit Delf selbst an der Frauenschwarm-Gitarre, Horst „Tuli“ Bultmann am Schlagzeug als zuverlässiger Schlagmann,, und den beiden Elektrikern Ernst Petersen und Mecki Schulze, sind die edlen Vorreiter. Als aber der Beat in der Republik Einzug hält benennen sie sich um in „The Macbeats“ (Skiffel adele), nachdem Delf gerade Shakespeare an der Schule hat und in Bremerhaven Stephan Remmler kennen lernt, der bereits seinen ersten Sängerwettstreit bei „Seebeck am Markt“ gewinnt und zu dem Zeitpunkt schon einen Namen in der Seestadt hat.

Delf tendiert durch seinen England-Aufenthalt, von dem er sich Beatles Scheiben mitbringt, eher in die Richtung der vier Trendfrisurlinge. Stephan aber, der erst nach anfänglichem Zögern zusagt, dann einsteigt, ist mehr den Rolling Stones mit der härteren Gangart zugetan.

So sitzt er dann auch an einem Sonntagnachmittag auf dem Bühnenrand bei „Ammen“ (Abendveranstaltungen waren wegen des Jugendschutzgesetzes nicht vertretbar), links das Mikrofon, rechts seine große Liebe Heike Kuhlmann im Arm, und schnulzoliert vor 800 schmachtenden, zu atmen vergessenden Fans „Time is on my side“. Er imitiert Mick Jagger nicht nur perfekt mit Gesten in seiner Performance, er kommt ihm stimmlich auch verdammt nahe. Er ist zweifellos der Mittelpunkt, das wirkungsvolle Aushängeschild der Band.

Micky Kaiser, vor dem Wechsel noch bei den „Soulbeats“, kommt am Bass und mächtig stimmgewaltig für Gloystein, George B. Miller (ebenfalls „Soulbeats“) belegt die Trommlerecke.

Den Rest der Bühne um Frontmann Remmler machen Saxophonist Peter Lüddecke, Gitarrist und Sänger Delf Jacobs, Tastenmann Günther Abels und Solo Gitarrist Gert Krawinkel aus Cuxhaven unter sich aus. Aus der Beatband ist inzwischen eine „Soulband“ geworden, nicht zuletzt durch Micky, der Titel von Ray Charles und anderen Soulisten vertritt, prima Sam& Dave mit Stephan im Duett von der Bühne schickt. Unvergessen Howard Tate ´s „Look at granny run run“.

Geprobt wird einmal wöchentlich zu besten Bedingungen, herzlich und familiär, im Hause der Familie Jacobs in Nordenham.

JUST US im Stadttheater

Immer wieder ist es Stephan, der am Programm feilt, verbessert, auf sein Publikum hört und mit der Musik experimentiert, neue Wege geht, um anders zu sein als die Anderen, während Delf, auch etwas anders als die Anderen, sein Saxophon immer noch mit Gummibändern traktiert, die undichte Luftklappen schließen sollen. Günter Abels kann erst nicht folgen, steht noch zu sehr unter dem Einfluss seiner, der Vergangenheit angehörenden, Tanzmuckerzeit. Stefan legt ihm nahe, einen etwas strafferen Riemen auf die Orgel zu legen, und nicht so zu nölen. Günter geht in den Hamburger Star Club, inhaliert in tiefen Zügen „Nice“ um Keith Emerson, und schlägt bei der nächsten Probe Dave Brubeck´s „Blue Rondo a la Türk“ vor. Das bringt ihm den gewünschten Stammplatz.

Die „Just Us“ sind die erste norddeutsche Combo, die es in der „Lila Eule“ versteht, die Bremer zu überzeugen, dass es auch noch andere tolle, vor allem hörens- und sehenswerte Acts gibt als ihre eigenen. Die Mannen aus Bremerhaven werden nicht nur akzeptiert neben den Lokalmatadoren der Landeshauptstadt, sie werden sogar geliebt.
Es kommt zu Radioaufnahmen beim ansässigen Sender. Man freundet sich mit den Bremer Musikern an, tauscht sich aus.
Irgendwann wird dann auch Micky gegen Karl Bremser von den „Mushroams“ ausgetauscht, irgendwann geht Karl und Jochen Laschinsky aus Bremen kommt, wenngleich der auch bei den Bremer „Happy Times“ seine wahren Qualitäten mehr als Sänger unter Beweis stellte. Man muss auch nicht alles perfekt können. Wo bleibt dann der Spaß?
Der findet sich dann in eigenen witzigen Arrangements, den Originalen neu nachempfunden, und beschert den „Just Us“ einen Fernsehauftritt im Hamburger Star Club. Ist die Euphorie anfangs noch riesig (alle fiebern im Hause Jacobs vor der Kiste), ist die anschließende Enttäuschung doch unübersehbar, bevor sie sich in herzhaftes Lachen wandelt. Aus dem Fernsehauftritt wird ein Clip, der Clip eingefügt in die Sendung „Schädigt Beat die Ohren“. Zwischen herrlich nichts sagend dreinblickenden Kühen auf der Weide, Autos im Verkehr und Fliegern im Landeanflug immer wieder mal „Just Us“.

Allerdings haben es die „Bee Gees“ an dem Abend im Star Club wesentlich schlechter getroffen. Sie kommen als Gäste, hören und gehen unerkannt.
Nun gut, das weiß auch der Mick Jagger aus der norddeutschen Tiefebene, gut Ding will Weile haben. Irgendwo im Schädel geistern Gedanken an professionelles Musizieren, eigenes Material zu veröffentlichen. Es an die große Glocke zu hängen ist nicht sein Ding, noch nicht.

Es sind dann andere Geschichten, von denen Karl Bedachtsam und Susi Sorglos im Büro immer nur aus der Zeitung erfahren. Im Herforder „Jaguar Club“ holt die Polizei George B. während eines Konzerts von der Bühne weil er angeblich Rauschgift, konkreter gesagt, Aufputschtabletten, zu sich genommen haben soll. George B. wundert sich, dass man so etwas auf der 2,5m hohen, ehemaligen Kinobühne von ganz da unten erkennen kann. Es stellt sich dann auch als völlig daneben gesehen heraus weil man davon ausgeht, dass Vorbilder nicht nur musikalisch Einfluss üben. Aber „Just Us“, selbst ein Vorbild für die Jugend, haben eine Anekdote neben dem Imagegewinn mehr, und die Presse sättigt sich wieder am Ga Ga Futter.

Stephan, Delf und Micky kleiden sich indisch, sympathisieren vorübergehend mit Maharishi Mahesh Yogi, dem Beatles Guru, ohne sich der transzendentalen Meditation zu verschreiben. Zusätzliche Kreativität, ok, aber wer will schon ewig leben.

Die Band tourt von Pontius zu Pilatus, entert ein weiteres Mal ihr eigenes Schiff in der „Friedeburg“, macht den Headliner zu den wieder in´s Leben gerufenen  „Dance“-Veranstaltungen von Peter Lede und Bernhard Tschöpe in Nordenham, lässt den Bremerhavener Bodo Albes zum Manager avancieren, reist voller Elan hier und dort hin, um mit leeren Taschen wegen geplatzter Gigs wieder heimzukommen. Günter Abels steigt aus, um sich den englischen Rockern von „Light“ anzuschließen. Delf will nach Berlin, um zu studieren, bekommt aber keinen Platz an der Uni und geht deshalb nach Hamburg. George B. wird zu den Fahnen gerufen, um in Hamburg Wentorf bei der Luftwaffe seine Grundausbildung zu absolvieren. „Just Us“ vor dem Ende?

Das walte Hugo (antiquierter Spruch aus dem Musiker Milieu Ende der 60er). Da ist immer noch ein Stephan Remmler, und so einer lässt nicht locker. Glaubt die Fachwelt noch, dass ein Drummer vom Schlage eines George B. schwer zu ersetzen sei, so greift sich Stephan erst den folkloristisch angehauchten Hamburger „Ougenwide“-Trommler Olaf Casalich, dann den überzeugend akzentuierten Zappa Lindner ab, der allerdings mit Arrangements herzlich wenig anfangen kann.

JUST US als "Trio"

Also nicht zu gebrauchen für die neuen Ideen. So bleibt das Konzert in der Bremer Stadthalle mit „Dave Dee und Co.“ der letzte nennenswerte Höhepunkt in der Geschichte der „Weser Kings“. Die „Just Us“-Neuformierung findet dann auch als Trio statt, mit „Kralle“ Krawinkel, Micky Kaiser und George B., um wenig später als „Cravinkel“ in gewandelter Besetzung mit zwei vinyligen Langspielern in die Rock-Annalen einzugehen.

Fast zeitgleich denkt Stephan, der zeitweise mit Kralle in der Elbestraße in Hamburg unter einem Dach logiert, über ganz andere Pläne nach. Es soll ein frischer „Wind“ wehen, den er gern mit Kralle blasen würde, aber dafür muss er das Ende von den leider nicht sonderlich erfolgreichen „Cravinkel“ abwarten. Immer noch ist „Time on his side“, und er lässt sich 1979 zu einer Comeback Reunion in Originalbesetzung auf der Bühne des Stadttheaters überreden. Originalbesetzung? Einer fehlt, doch das Orchester spielt weiter. Micky Kaiser becirct irgendwo in südlichen Gefilden irgendwelche heißblütigen Senoritas. So übernimmt George Meier (derzeit noch bei Wolfsmond) den viersaitigen Job. „Just Us“ geben noch einmal alles, demonstrieren eine Einheit („Let ´s be friends“), und bei der markigen Moderation des Frontmannes bleibt kein Auge trocken. Vor ausverkauftem Haus am Samstag, ausverkauftem Zusatzkonzert am Sonntag zuckt es noch einmal kräftig in den Händen, schnüffelt es in den Nasen des hoffenden Publikums, aber im Grunde weiß jeder, es ist schon ein Revival Konzert vom Farewell dieser außergewöhnlichen Formation.

Wie es weitergeht? Als „Lillen“ vielleicht?
Hey, wo warst du 1984? Hier oder schon da da da…?


Keine Artikel in dieser Ansicht.

mehr Aktuelles