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The Soulbeats - und doch rockende Roller

THE SOULBEATS bei Lukas

Pioniere des Rock n Roll konnten in der Bremerhavener Musikszene in den 60er Jahren an zwei Fingern abgezählt werden. Die meisten Bands hatten sich dem aus England kommenden Beat verschrieben oder dem Blues der amerikanischen Baumwollpflücker. Dass die Soulbeats Rock n Roll spielten und trotzdem so hießen, also gar nix Blues und noch weniger Soul, war zum Zeitpunkt der Gründung eher unverständlich. Aber fangen wir auch hier von vorne an.

Ein angesagter Treffpunkt für junge Leute ist das Freizeitheim „Klushof“ in der Stresemannstraße. Man trifft sich, um mitgebrachte Singles unter den mit der Hand zu bedienenden Tonarm des Plattenspielers im pinkfarbenen Plastikkostüm zu legen, begeistert mitzuschnippen, ekstatisch zu summen, dabei den adretten Pferdeschwänzen auf die schicken Socken zu schielen, Small Talk in Hochschulmanier zu flöten, aber auch um Keramik Aschenbecher für die Eltern zu brennen, die Tischtennis Platte zu bepingen (oder pongen), und um auf den abgesprochenen Zeitpunkt zu warten, dass die Tür zum Ton-Studio geöffnet wird. Für die meisten angehenden Mucker ein „heiliger Raum“, steht hier doch ein komplettes Schlagzeug, das behämmert werden darf, bis die Eierkarton verschalten Wände ihre Farbe wechseln.
Eines frühen Nachmittags steht ein junger Mann verschüchtert vor diesem Raum und hört von drinnen ein gleisbaumäßiges „Johnny B. Goode“. Er öffnet die Tür weil auf sein Klopfen verständlicherweise keine Antwort kommt, steckt seine Nase durch den Spalt und traut seinen Sehern nicht. Da stehen doch tatsächlich zwei Gitarristen und bearbeiten ihre Stahlsaiten, dass seine Ohren Augen machen. Beide sind so mit sich und Chuck Berry beschäftigt, dass sie den „Eindringling“ erst während einer Pause bemerken.

„Hey, bist du auch Musiker?“ „Na ja, Schlagzeuger“, kommt es eher verhalten zurück. „Hey, dann ran an die Bude, gib Kniegas oder wie du heißt. Genau das was uns fehlt!“ Hans-Otto In Der Wische und Axel Hedemann sind begeistert von den trommlerischen Fähigkeiten des neuen Rocknicks, und eine Nummer nach der anderen, insgesamt drei, wird bis Feierabend schweißtreibend und ohne gefilterte Zigarettenpause durchgezogen. George B. Miller heißt der dritte Mann im Bunde, aber auch er macht diese Band nicht komplett, steuert aber immerhin den Namen bei. „The Soulbeats“ sind geboren. Ein Bassist muss her, und der kommt, wie George B. auch, aus der Lessingschule. Wolfgang Henschel, kurz IO genannt, hat zwar ein eigenes Instrument, von dem er aber auch nur weiß, dass es vier Saiten hat. Da er aber verdammt gut aussieht, obendrein ein überzeugendes musikalisches Macho-Gesicht machen kann, gehört er ab sofort dazu. Wie gut, denn schon nach drei Monaten eröffnet er seinen Mitstreitern, dass er einen Manager aufgerissen hat. Dieser will die Vier aber erst einmal hören und sehen, und das bei einer Einlage im renommierten „Seebeck am Markt“, dem derzeitigen Mekka aller Rock n Roll-Fans. Auf der Bühne stehen die „Rhythm Brothers“ aus Cuxhaven, eine dermaßen überzeugende Ohrenweide, dass die Frischlinge befürchten, man könne ihnen die vollen Hosen anriechen.

Der Manager: Klaus Lukas (rechts)

Aber sie wissen auch, wenn sie oben mitmischen wollen, dann müssen sie da jetzt durch. Und es läuft wie geschmiert. Klaus Lukas, so der Name mit dem gewissen Nichts des Mannes aus Otterndorf, der die Vier berühmt machen soll, ist überraschender Weise sehr angetan von der Leistung.

Und es sieht gut aus. Genau wie das Plakat, auf dem die Jungs zum ersten Mal ihren Namen lesen. „Heute spielen für Sie“ in großen Buchstaben, darunter „nicht“ in klein, „The Beatles“ in riesig, und darunter wieder in klein „sondern die“, und dann in etwas größer: „The Soulbeats“. Das Wort „Beatles“ ist aus gut 25 m Entfernung zu lesen, in jedem Fall aber von der anderen Straßenseite. Das Interesse ist geweckt, man möchte einfach mehr erfahren, geht noch näher ran, und dann..tja. Dieser kosmische Werbegag beschert der Band immerhin 17 zahlende Gäste beim ersten Auftritt in einem Saal, der nach elendig langer Zeit zum ersten Mal wieder bespielt wird. Das Bier fließt in Strömen, und die Mucker können es nicht fassen, dass sie lauthals um Zugaben gebeten werden, auf die sie programmtechnisch gar nicht vorbereitet sind.
Es kann nur besser werden.

Abgemacht ist ein 50/50 Deal, die eine Hälfte an den Manager, der gleichzeitig Fahrer ist und die Backline stellt, die andere Hälfte durch vier blutige Anfänger mit einer überdimensionalen Erwartungshaltung. Bei einer Gesamtgage von DM 80.- ein überaus erfreulicher Schnitt.
Ein Manager kommt ausgesprochen gut, muss man sich doch um nix mehr kümmern als um die Erweiterung des Repertoires. George B. bekommt ein buntes und gebrauchtes, mehrfirmiges Schlagzeug gestellt mit einer Lefima Snare, einer Trixon Bass Drum, einem Sonor Standtom und einem undefinierbaren Hängetom. Es wird getourt in die frühlingshafte Landeshauptstadt zur „La Paloma Grotte“, und im tiefsten Winter ab nach Celle in die Soldatenbaracken mit verschneiter Verspätung, und zurück in den Landkreis nach Altenwalde und wieder weiter bis Cuxhaven in die „Sonne“. Fast eine Vierjahreszeiten-Tour.
Es geht gut, es geht voran, bis eines Tages Axel Hedemann an der Rhythmus-Gitarre aus beruflichen wie auch familiären Gründen (seine Freundin steht kurz vor einer schicken Trennungskrise) seinen Abschied einreicht. Neuer Mann wird der Blues orientierte Wolfgang „Ami“ Rentzel.
Die Show muss weitergehen.

Zum absoluten Höhepunkt wird eine Schwedentour nach Malmö, um mit den einheimischen Top Stars „The Mascots“ (oder waren es doch die Hootenanny Singers, wie Ami Rentzel und Klaus Lukas behaupten, die später als ABBA weltweit Karriere machten) auf einer Bühne zu stehen. Als No Name Band übernachtet man standesgemäß auf einem Campingplatz in den mitgebrachten Doppelbett-Zelten. Mitgebracht ist auch die akustische Anlage, 2 Achtlautsprecherboxen, in denen jeweils nur zwei Speaker funktionieren. Gemischt mit Micky´s Duo-Mundharmonika (zwei Stück mit einem Gummiband übereinander gefesselt) tönt es bombastisch, ziemlich punkig. Die Schweden sind jedenfalls schier aus dem Häuschen. 23 Rocker der „James Dean Gang“ aus Düsseldorf mit ihrem Markenzeichen, einer ausgelutschten Gewehrpatrone, um den Hals, bestätigen der Band eine unglaubliche Performance. Vom Sound ganz zu schweigen. Einerseits glückvoll beseelt, andererseits grübelnd, weshalb die schwedische Jungdamenwelt einem plötzlich viel weiter vom Fuß weg liegt als vor dem Konzert.

THE SOULBEATS in 2ter Besetzung

Aber dieses Abenteuer verdeutlicht dem Saitenästheten Rentzel einmal mehr, dass IO nicht einmal einen Boogielauf zustande bringt. Wieder daheim stellt er den Anderen seinen engsten Freund Micky Kaiser vor. Der bringt seine Lieblinge „John Lee Hooker“, “ Leadbelly“ und den Genius „Ray Charles“ in´s Gespräch, das Programm ändert sich schlagartig, die Popularität allerdings auch. Die Harmonien sind auch nicht gerade weniger oder einfacher geworden. IO ist out wie nur was.
Wird man in „Wackernah´s Tanzdiele“ in Langenfelde bei Bramstedt noch beim letzten Konzert mit der berühmten zittrigen Currywurst, die bei falscher Handhabung aus der Pelle glitscht, und einem gerade dem Gefrierfach entnommenen, zwischen den Zähnen knirschenden Kartoffelsalat fürstlich bedient, so darf die neue Besetzung gleich nach dem dritten Lied wieder einpacken. Ein steiler Schritt in den Rückwärtsgang.
Wenn man aber etwas falsch macht, dann richtig, und so wird Pit Schimkat an die Tasten geholt und Wolfgang Reich bläst die Tenorkanne. Hans Otto hat zwischenzeitlich seinen Laufpass genommen, um der Familie sein gitarristisches Erbe zu vermachen.
Dann geht er zur Feuerwehr.

Mit einem Mal passt der Name wie die Faust auf´s Auge. Ganz frech erweitert man auf „The Original Soulbeats“, obwohl es weit und breit keine Formation unter dem ursprünglichen Namen gibt. Blues und Soul sind nun die musikalischen Bausteine für das neue Gebäude, und wie das letzte Aufflackern einer verendenden Glühbirne wird es noch einmal richtig hell um die hart gesottenen Recken.

Da wechselt Micky zu Remmler´s „Just Us“, ein neuer Bassmann und Sänger ist nicht in Sicht. George B. hat vom ständigen Auswechseln der Spieler die Nase voll und lässt sich auf ein Geplänkel mit „Unit 4 plus 2“ ein, die aber nur zu dritt sind. Ami Rentzel befasst sich ernsthaft mit seinem Jurastudium, und der Rest weiß bis heute nicht was ein „Earschplittenloudenboomer“ ist.


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