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Blancke Trio - Dat geiht narms so verrückt to as op de Welt!

…dat mokt wi platt – ein Leitmotiv, das nicht übersetzt werden muss, ein Motto, das sich das Blancke Trio vor 30 Jahren auf ihre plattdüütsche Fahne schrieb und zu dem sie heute nach wie vor stehen.

Gerd Blancke, 1969 noch Lehrer an der Gaußschule II (heute an der H.- Heine-Gesamtschule), wo er auch Schüler war, Bruder Uwe bei Vaddern in der Kohlenhandlung, später dann Akquisiteur bei der NZ, und Karl Leifermann, ebenfalls Lehrer, bekommen ihre erste Gelegenheit, überhaupt mal vor die Öffentlichkeit zu treten, als ihr Chor, in dem sie singen, für eine Weihnachtsfeier der Gemeinde nicht komplett verfügbar ist.

Bis zu dem Zeitpunkt ist das Musizieren der Drei ein stilles Hobby in den eigenen vier Wänden.
Sie erklären sich spontan bereit, den Lukas-Kirchenchor Leherheide zu vertreten. Mangelnde Erfahrung, Angst, vor einem großen Publikum aufzutreten, kennen sie nicht.
Zu groß ist die Freude, die Neugier, endlich einmal herauszufinden, ob ihr Musizieren Anderen ebenso Spaß machen könnte wie ihnen selbst.
Das Konzept, wenn auch nur für dieses einmalige Konzert, ist simpel, aber durchdacht.
Plattdeutsch soll es sein, „Mitsinger“ und Action zum Mitmachen, teilweise eigenes Material (Leifermann schreibt Texte und Musiken) und größtenteils Originale aus dem Englischen übersetzt, gemixt mit kleinen Geschichten, sollen das Publikum für den Ausfall des Chores entschädigen.
Und es wird ein riesiger Erfolg.

Aber erst die Vorsitzende der AWO in Langen, die als begeisterte Zuhörerin im Publikum sitzt, bringt den Stein ins Rollen, überredet die Debüttanten zum Weitermachen:
„Bitte, spielt doch auch mal bei uns…!“
Wie im Schneeballsystem geht es so weiter, das „Blancke-Trio“ wird rumgereicht.
Das Repertoire wird erweitert, die Schmunzel-Richtung soll bleiben, aber was ist mit der „Kleddaasch“, was zieht man sich an?
Stilgerecht natürlich, schwarze Manchesterhose, breite Hosenträger, rotes Halstuch und Holzschuhe mit Schafsfell. Ein paar Kööm weiter kommt die schwarze Weste hinzu.
Die Rollen sind jedenfalls schon lange verteilt: Karl, das Multitalent, schreibt Gedichte, Geschichten, malt Aquarelle, arrangiert, textet und komponiert, Uwe leiht seine klare Stimme, Gerd macht den Entertainer. Immer alles herzlich. De Muskanten vun de Waterkant singen und spielen traditionelle, übernommene und viele eigene Lieder in niederdeutscher Sprache. Humorvoll dargeboten, eingepackt in Snack und Döntjes, aber auch anspruchsvoll und anrührend kommen die Titel in Dur und Moll daher.
1981 ist es dann endlich so weit. Die besten „Ankommer“ werden selektiert und mit Hilfe von Gerd Schönfeld am Bass auf Vinyl und Kassette verewigt. Eine Plattenfirma halten die Bremerhavener für überflüssig. Was der Fankreis bei den Live-Konzerten nicht abnimmt, das wird in Kaufhäusern und anderen Läden der Heimatstadt angeboten. Lieber unabhängig bleiben und das ist bis heute so geblieben.
Und das läuft sehr gut so.
Bei einem Auftritt in Bad Essen auf dem historischen Markt fällt plötzlich der Strom aus. Kein Problem für Gerd Blancke und seine Mitstreiter.
Kurzerhand springt man von der Bühne und macht akustisch, sozusagen „unplugged“, unter anhaltendem Applaus inmitten des Publikums weiter.
Spontanität, eine weitere, unübersehbare Stärke der Männer aus der norddeutschen Tiefebene. Nicht zuletzt deswegen nimmt Jo Hanns Müller sie in den „Bremer Container“ und mit dem geht´s ab in die bayrischen Berge und die populären Hafenkonzerte von RB und dem NDR werden ebenfalls live mitgestaltet.

Das BLANCKE TRIO mit Bernd Rücker (ganz rechts)

Damit der Terminkalender nicht durch eventuelle Konzertabsagen kränkelt, wird Karl Leifermann’s Kollege an der Paula-Modersohn-Schule, Helmut Gawron (Mandoline, Gitarre, Gesang), zusätzlich „angeheuert“.
Drei Jahre später wird ein nachbearbeiteter Live-Mitschnitt aus dem Kleinen Haus des Stadttheaters Grundlage für das zweite Werk und Helmut ist dabei.
Ein schwerer Schicksalsschlag kommt für das Trio im Jahr 1988, als Uwe Blancke an Krebs stirbt.
Der Bremerhavener Gitarrist und Sänger Bernd Rücker, schon seit Jahren ein guter Freund der Band, gibt seine aktive Fahrenszeit als Maschinen-Ingenieur auf, bleibt an Land, steigt für Uwe ein und sorgt mit seiner Gute-Laune-Mentalität dafür, dass es keinen Stillstand gibt
Langsam erholt man sich, erweitert das Repertoire, neue Döntjes kommen wie von selbst, spontane Wortspiele untereinander lockern das, was im Saal noch fest am Stuhl klebt.
Die Herzlichkeit hat ihren festen Platz bei jedem Auftritt, ohne dass der musikalische Vortrag darunter leidet.

1990 ist es der Vorsitzende des Heimatbundes „Männer vom Morgenstern“ Heinrich-Egon (Conny) Hansen, der vorschlägt, eine dritte LP nur mit „Mühlenliedern“ aufzunehmen. Begeistert wird die Idee aufgegriffen und weil man davon ausgeht, dass die Compact Disc für das eigene Publikum noch gewöhnungsbedürftig sein könnte, wird ein weiteres Mal auf Vinyl gepresst.
Wiederum ist es der kreative Karl, der holländische und englische Texte ins Plattdeutsche übersetzt, das Cover malt Reiner Pomplun (jataro design).
1994 wird aus dem Quartett kurzzeitig ein Quintett, weil Gerd seine talentierte Schülerin Anke „Schietbüdel“ Behrens am Akkordeon für einen großen Gewinn hält und mit ins Boot nimmt.
Anke hat am „Hohner Konservatorium“ in Trossingen (Schwaben) Musik studiert.
Alle Zeichen stehen auf Erfolg, Live-Konzerte beim NDR, Radio, Fernsehen, da stirbt ein Jahr später Karl Leifermann an Herzversagen.
Schon der zweite riesengroße Verlust für die fünf Spaßmacher, den man erst einmal wegstecken, verkraften muss.
Aber, das Leben geht weiter, sagen sie, das 20-jährige Jubiläum steht an und dafür soll ein weiterer Tonträger her. Es wird die erste CD mit dem Titel „Platt am Watt“ und dem Radiohit „Watt wär’mer ohne Wattwürmer“, den man ihnen nach der Sendung „Lieder, so schön wie der Norden“ anbietet. Auf das eigene Arrangement kommt nach alter Manier der plattdeutsche Text.
Unermüdlich wird weiter an neuen Liedern gebastelt, an neuen Ideen und eine davon beschäftigt sich seit 1986 mit der Vorweihnachtszeit und einem eigens dafür erarbeiteten Live-Programm. Die Resonanz ist so stark, dass 1998 für alle Fans und die, die es noch werden wollen, die CD „Plattdüütsche Vör-Wiehnacht“ (Nimm wat mit röver vun Wiehnacht) auf den Markt kommt und innerhalb weniger Wochen vergriffen ist.

Der Pfeil zeigt weiter nach oben, alles läuft rund, da schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu, reißt Bernd Rücker aus ihrer Mitte, der 2002 nach kurzer, aber schwerer Krankheit seinem Leiden im Krankenhaus erliegt.
Der Verlust des Freundes geht so nahe, dass man daran denkt aufzuhören.
Ihre roten Halstücher geben sie ihm mit auf seinen letzten Weg, ersetzen sie durch schwarze.
Geblieben sind immerhin wunderschöne Erinnerungen an gemeinsamen Zeiten bei Konzerten, im Studio, an die Reisen durch die eigene Republik, USA, Neuseeland, Frankreich, Italien, Österreich, Polen und die Niederlanden, an einmalige Erlebnisse  z.B. in Alexandria, Ägypten, wo man gemeinsam mit deutschen und arabischen Kindern dort „Dat du mien Leevsten büst“ singt.
Ein halbes Jahr weiter gibt es aber noch ein Zusammenkommen auf dem „Bernd Rücker-Benefiz-Konzert“ im Marschenhaus, das zu Gunsten der „Bismarck Heringe“, Bernd’s Projekt, stattfindet. Emotionen kommen hoch, Erinnerungen werden wach, der Gedanke daran, dass Bernd selbst sagen würde: Weiter machen, - es ganz bestimmt in seinem Sinn wäre, genau das zu tun, lassen Anke, Gerd und Helmut als echtes Trio die Arbeit wieder aufnehmen.
Das erfreuliche Ergebnis, 2003, eine neue, bezaubernde CD zur Weihnachtszeit, „Freu di!“.

Zukunftsvisionen? Na klar, Welthits platt machen. Da könnte aus Johnny Cash´s „Ring of Fire“ dann “Osterfüür” („un dat brennt, brennt, brennt...“) entstehen oder ... oder ...
Es sieht also ganz so aus, als würden zu den 30 Jahren, die exakt am 03. Dezember 2006 voll wurden, noch ein paar hinzukommen.
Eine hoffnungsvolle und schöne Nachricht, die nicht im Entferntesten platt klingt.


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